Bordeaux in Bremen II: 3x Barolo Riva von Claudio Alario und Cos d’Estournel 1993

Während ich mich den Großteil des Februars in Abstinenz geübt habe, stand zum Ende des Monats ein kurzer Trip in den Norden Deutschlands an. Dabei wäre es sicher unhöflich gewesen, auf Gastgeschenke und lieb gewordene Traditionen zu verzichten, weshalb auch eine Kiste Wein ihren Weg nach Bremen gefunden hat.

Claudio Alario ist vor allem für seine Dolcetto und Barbera bekannt, die Barolo hatte ich vorher noch nicht probiert. Drei Flaschen sind bekanntlich ja schon eine Mini-Vertikale und so gingen die Jahrgänge 1996, 1997 und 1999 des Barolo Riva mit auf die Reise. Zu letzten Ehren kam auch noch eine Flasche Cos d’Estournel 1993.

Leider hätte ich mich vor der Idee mit der Mini-Vertikale etwas mit Claudio Alario auseinandersetzen sollen. Denn wenn auch manch deutscher Weinhändler die Barolo von Alario -völlig unverständlich – als klassisch und traditionell anpreist, sind die Weine extrahiert und hoch modern ausgebaut. Das bedeutet neben zwei Jahren im Barrique unter anderem auch Rotofermenter und Thermovinifikation. Entsprechend zeigten sich diese im besten Trinkalter befindlichen Jahrgänge mit einem für einen Nebbiolo-Wein sehr dichten Rot und einer intensiven Frucht aus Kirsche, Pflaume und Erdbeere,  zurückhaltendere Noten von Rosenblättern und etwas Lakritze, Vanille und Minze. Am Gaumen waren alle drei Barolo sehr kräftig und auf ihre Art harmonisch-weich, wenig Struktur, mit intensiver dunkelkirschiger Frucht, dezent-süßer Würze, etwas Coca-Cola und plüschig-schokoladigem, wenn auch gut integriertem Tannin.

Kann man trinken, wenn man moderne Barolo mag – womit ich aber gar nicht gerechnet hatte ist, das die drei Jahrgänge praktisch nicht zu unterscheiden waren. Blind gar keine Chance und selbst wenn man wusste, welcher Jahrgang im Glas war, konnte man bestenfalls Nuancen im Direktvergleich herausarbeiten. Somit bekommen alle drei Jahrgänge gg-ggg Punkte und trinken sich jetzt und wahrscheinlich bis 2018 recht gut.

Nicht besonders viel hatte ich von Cos d’Estournel 1993 (ggg-, austrinken) erwartet, der sich dann aber als erfreulich ausbalancierter, gereifter Bordeaux im Rahmen seiner Möglichkeiten zeigte. In der Nase schon sehr zurückhaltend, dunkle Cabernet-Frucht, Graphit, Leder, Orangenschalen, Zedernholz, Waldboden, Pilze. Am Gaumen ist der Wein noch erstaunlich intakt, leichter Körper, feine Textur, weich und rund, kaum mehr Frucht aber feine Sekundäraromen von Tabak, Leder, Zeder, Erde und schwarzem Tee, das Tannin ist vollständig abgeschmolzen. Es fehlt an Dichte, Präzision und Struktur, aber trotzdem bei jedem Schluck als klassischer Saint Estèphe zu erkennen.

PS: Die Fotos sind leider nichts geworden, also diesmal text-only.

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