Bordeaux 2010 Union des Grands Crus: St. Emilion und Pomerol

Das rechte Ufer in St. Emilion und Pomerol zeigte einige sehr schöne Erfolge:

Chateau Balestard La Tonnelle 2010: Sehr fein, rotbeerig, gut proportioniertes süß-würziges Holz. Erstaunliche Frische und Saftigkeit, guter Trinkfluß, der Alkohol wurde geschickt verpackt. Kirschige Frucht, aber auch hier eher hell und feinkörniges Tannin im Abgang. Für den Jahrgang ein feiner, schlanker Wein.  (ggg-)

Chateau Beau-Sejour Becot 2010: Bei 14.5% mit merklichem alkoholischem Feuer, eingekochte Frucht, sehr dicht und extraktreich, etwas eindimensional, massiver Holzeinsatz. Es fehlte uns an Frische, von allem etwas zu viel. (gg+)

Chateau Canon 2010: Im Moment in einer schwierigen Phase, sehr extraktsüße, rote Frucht, schöne Würze, Orangenzeste, viel Neuholz, feinkörniges, trocknendes Tannin, deutet aber Tiefe und eine gewisse Vielschichtigkeit an, mit Potential für (ggg).

Chateau Cap de Mourlin 2010: Zeigte sich eindimensional und mit einer leicht unreifen Note. Eher schlank am Gaumen, kräftiges Tannin, merklicher Alkohol. Wird in ein paar Jahren einen schönen Trinkwein ergeben. (gg)

Chateau Figeac 2010: Eines der Highlights von der Right Bank. 14% Alkohol. Im Moment noch verhalten und verschlossen. Wirkt im ersten Eindruck sehr klassisch mit leicht vanilligen, staubigen Holz und seinem hohen Cabernet Anteil. Warmer Körper, vielschichtige Frucht, gute Säure und wirklich großes Tannin. Harmonisch und trotz allem Extrakt und der dichten Frucht schlank in der Anmutung. Großartig aber auch sehr teuer. Dürfte recht schnell reifen. (ggg-gggg)

Chateau Clinet 2010: Reduktiv. Leicht animalisch, Wildbret, feinstes, ätherisches Holz, dichte und intensive Frucht, Pflaume, Kirsche. Der Alkohol scheint durch, der Wein ist sonst aber fein und gut strukturiert. (ggg+)

Chateau Petit-Village 2010: Braucht Zeit, zeigt sich aber harmonisch, frisch, mit tollem Saft und Trinkfluß. Reife Kirsche, Lakritze, feines Tannin im recht langen Abgang. (ggg)

Bei dem vorherrschenden Preisniveau kann man noch am ehsten Balestard La Tonnelle empfehlen, das bei der Weinkritik nicht so gut abgeschnitten hat und eher auf der feinen, eleganten Seite ist (online leider nicht gefunden, dürfte um 40 EUR liegen). Wenn Geld keine Rolle spielt, darf man sich auch gerne an dem köstlichen, sehr gelungen Figeac für 275,00 EUR je Flasche delektieren (z.B. bei Gute Weine Lobenberg) und uns dazu einladen.

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3 Antworten auf Bordeaux 2010 Union des Grands Crus: St. Emilion und Pomerol

  1. Alex sagt:

    Hallo, erstmal danke für euren Kommentar, wir freuen uns, wenn auch andere ihre Eindrücke schildern.

    Wir finden es ganz interessant, wenn möglich auch die Premiers und Superseconds zu probieren, damit man die Qualität der restlichen Weine besser einschätzen kann. Das muss ja nicht unbedingt Haut-Brion oder Latour sein, Comtesse, Pontet-Canet & Co. wären für diese Zwecke ja auch nicht zu verachten gewesen. Diese Weine sind natürlich alle zu teuer, aber das ist in 2010 realistisch gesehen auch nahezu alles andere, was die UGCB zur Probe angestellt hatte….

    Was die Einschätzung angeht – es gab mit Sicherheit einige sehr gute und große Weine. Wir sind aber, gerade nachdem wir in den letzten Tagen noch einmal 2005 nachverkostet haben, nicht der Meinung, das 2010 ein großartiger Jahrgang ist. Einmal von allen stilistischen Problemen, die wir mit dem Neuen Bordeaux haben abgesehen, hat 2010 in der Breite nicht einmal annährend die Qualität von 2005. Zu teuer sind beide.

    In 2008 gab es übrigens noch eine Menge Bordeaux mit 13% – es ist ja nicht so dass das eine längst vergessene Ära wäre 🙂 Aber man muss wohl einfach akzeptieren, dass man sich in BDX stilistisch vielfach neu orientiert hat und die traditionellen Qualitäten über Bord geworfen hat. Uns gefällt das nicht – aber das ist letztlich natürlich nur eine Frage der persönlichen Präferenzen.

    LG,
    Alex + Marco

  2. Pape Clement xxxx sagt:

    Guten Tag,

    wir waren zu fünft auf der Probe und waren alle sehr begeistert von den Weinen.

    Vorab stellt sich die Frage:
    Warum vermisst ihr die Weine von Mouton Lafite und co.? Anscheinend sind diese Weine auch in hundert Jahren keine Empfehlung wert.
    Alles zu teuer….

    Nun zu unseren Eindrücken, die Weine waren absolut gross !!! Über Phelan Segur (wahrscheinlich der best buy) – Domain de Chevalier – Pape Clement rot – Leoville Poyferre – Troplong Mondot ( was für ein Hammer / keine Spur von alkoholisch ) – Beychevelle – Cantenac Brown alle auf höchstem Niveau. Grosser Spassfaktor. Allerdings muss man den neuen Bordeauxstil mögen ( oder erst lieben lernen) aber mal ehrlich Bordeaux mit 12,5 Vol. gehören der Vergangenheit an.

    Wir sind jedenfalls gespannt auf Ihre weiteren Verkostungsnoten.

    Im Mai werden wir jedenfalls erneut dieses Tasting auffrischen – direkt im Bordeaux.

    Dieses mal irrt sich die internationale Fachpresse jedenfalls nicht !!!! So zumindest unsere einheitliche Meinung.

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