Bordeaux 2010 Union des Grands Crus: Margaux, Moulis, Listrac & Medoc

Wie eigentlich jedes Jahr zeigte sich Margaux eher uneinheitlich, die Weine wussten aber überwiegend durch ihre saftige und elegante Art zu gefallen. Besonders überzeugte uns aber ein Wein aus dem angrenzenden Moulis-en-Médoc.

Chateau Poujeaux 2010: Ein maskuliner, vom Cabernet geprägter Wein. Intensive Nase von Cassis, roter Johannisbeere, etwas Minze, Tabak, feine Holznoten. Druckvoll am Gaumen aber gleichzeitig sehr geschliffen, kühl und elegant. Die extraktreiche Frucht, subtile Cabernet-Würze, Mineralität und das feinkörnige Tannin ergeben einen gleichzeitig kräftigen und harmonischen Bordeaux mit tollem Trinkfluß. Ein sehr schöner Erfolg und, da lehnen wir uns mal etwas aus dem Fenster, der wohl beste Poujeaux seit geraumer Zeit. (ggg)

Chateau Clarke 2010: War uns zu füllig und eindeutig. Eingekochte, pflaumige Frucht, Kirsche, hoch extrahiert, hoch unspektakulär. (gg)

Chateau La Tour Carnet 2010: Eine ausführlichere Verkostungsnotiz findet ihr hier. Zeigte sich auf der Probe erwartungsgemäß noch verschlossener und ließ nur wenig raus. Wir haben ihn im Kontext mit den besonders feinen Giscours und Brane-Cantenac getrunken, da wirkte vor allem das Tannin etwas rustikal. (ggg-)

Chateau Brane-Cantenac 2010: Seit 2008 folgt hier ein schöner, eleganter Margaux auf den anderen. Breit gefächerte, vielschichtige Frucht, rote Beeren, Cabernet, florales Margaux-Parfum. Auf eine subtile Art sexy und verführerisch, am Gaumen eher leicht in der Anmutung, für den Jahrgang schlank und elegant, toller Trinkfluß, süßes, feinkörniges Tannin. Ein ehrlicher Wein und ein feiner Margaux. (ggg+)

Chateau du Tertre 2010: Ist sich in 2010 wieder treu geblieben und auch blind zu erkennen. Florales Margaux-Parfum, Graphit, Lakritze, feine Kirschfrucht, Johannisbeere, Pflaume, röstiges Holz. Saftig, fleischig und mit tollen Trinkfluß, die Frucht genau auf den Punkt gereift und kein bisschen überextrahiert. Leicht mineralisch und mit feinem Tannin im recht langen Abgang. Ein herrlich opulenter Trinkwein. (ggg)

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Chateau Giscours 2010: Muskulöser und strukturierter als alle anderen Margaux auf der Probe. Kirsche, Floral, Zeder, Tabak, ganz zart vanilliges Holz. Am Gaumen elegant und fast schon streng, dichter Fruchtkern, mineralisch, sehr gutes, fein-würziges Tannin im langen Abgang. Wird einen längeren Aufenthalt im Keller benötigen, zeigt aber im Gegensatz zu manch anderem Wein die nötige Gesamtstruktur, um in 10 oder 15 Jahren  zu echter Größe aufzulaufen. (ggg-gggg)

Chateau Labégorce 2010: Recht eindeutige Nase mit wenig Pflaume, etwas Tabak, Cigarbox, der Alkohol (14.5%) scheint durch. Es fehlt die Kühle und Frische, am Gaumen sehr dicht, eingekocht, überreif und flach, aber immerhin mit sehr gutem Holz. (gg)

Chateau Lascombes 2010: Da hat man es dieses Jahr wohl zu sehr zwingen wollen. Der Wein wirkt insgesamt sehr gemacht und fast schon parfümiert. Minze, Veilchen, Rumtopf, Pflaume, Vanille, exotische Würznoten. Am Gaumen extrem dicht und stoffig, überextrahiert, schon an der Grenze zur Überreife, im langen Abgang superfeines, schokoladiges Tannin.

Parker schreibt dazu unter anderem : “Needless to say, this is an example of modern-styled winemaking at it’s finest, and arguments that such wines will not age well, do not represent their terroir , and are soul-less, are totally groundless.” Wir sagen: Der Lascombes 2010 ist ein Beispiel für den seelenlosen, technokratischen und international geprägten Weinstil, der kaum mehr Terroir und Typizität zeigt und Bordeaux früher oder später Kopf und Kragen kosten wird. (ggg-)

Chateau Prieuré-Lichine 2010: In der Nase eher verhalten, etwas diffus, wirkt überreif und fast schon angestrengt, Kirsche, Pflaume, Trüffel, Tabak. Am Gaumen dann etwas besser aber mit merklichem Alkohol (14.5%), hochextrahierter und sehr reifer Frucht, unzugängliches Tannin. (gg-ggg)

Chateau Rauzan-Ségla 2010: Recht verschlossen und schwer einzuschätzen. In der Nase sehr verschlossen, zeigte am Gaumen aber einen enormen Druck, Tiefe und vielschichtige Aromatik. Auf der anderen Seite war die Säure relativ niedrig, der Alkohol eher hoch und die Extraktsüße am Anschlag, das Tannin massiv und unzugänglich. Nicht wirklich zu bewerten, könnte aber das Potential zu echter Größe haben.

Vielleicht sogar der Best Buy des Jahrgangs aber ganz sicher eine Kaufempfehlung ist der Poujeaux (vor allem für die sehr fairen 26,50 EUR bei Axel Buess). Wer viel Zeit und das nötige Kleingeld mitbringt, kauft sich den feinen, klassischen Giscours (62,50 EUR, auch Axel Buess) und wer einen recht zugänglichen, saftigen Trinkwein sucht, sollte bei du Tertre (33,00 EUR, C&D) zuschlagen.

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