Cavallotto Bricco Boschis 2001, La Lagune 1995, Fontanabianca Sori Burdin 1999, Pichon Comtesse 1999 und jede Menge Flaschenpech

Da Marco in Trier weilte, hatten wir einen netten Champions-League Abend geplant. Zur Abwechslung mal nicht mit Bier in der Kneipe, sondern mit feinen Weinen vor dem heimischen Bildschirm.

RIP: Borgogno Barolo Cannubi 1989 & Cavallotto Barolo Riserva Vignolo 1990

RIP: Borgogno Barolo Cannubi 1989 & Cavallotto Barolo Riserva Vignolo 1990

Ich möchte voraussschicken, dass ich normalerweise  bei Auktionen ein gutes Händchen oder einfach nur unverschämtes Glück hatte, gerade bei teuren Weinen gab es bisher nur selten Totalausfälle zu beklagen. Diese Glückssträhne ging jedoch mit der heutigen Probe geradezu spektakulär zu Ende, weshalb wir an dieser Stelle kurz der Toten gedenken wollen: Von seinem Vorbesitzer liebevoll warm und trocken gehalten, möglicherweise auf dem Kaminsims, wurde die Cavallotto Barolo Riserva Vignolo 1990. Korken intakt, guter Füllstand, aber trotzdem nur noch Sherry und gänzlich oxidiert. Noch nicht völlig hinüber aber mit deutlicher Oxidation und mehr als nur einem Bein im Grab der Borgogno Barolo Cannubi 1989.

Nur noch untot: Pichon Comtesse 1999 - Überraschend schön hingegen La Lagune 1995

Nur noch untot: Pichon Comtesse 1999 – Überraschend schön hingegen La Lagune 1995

Unter anderem als Ersatz war dann die Pichon Comtesse de Lalande 1999 (fehlerhaft) gedacht, die bestenfalls noch als Wein-Zombie durchging. Am Probenabend trotz Dauerbelüftung völlig verschlossen, in der Nase penetrant laktisch nach Himbeerdrops. Am Gaumen ebenso dicht, harsche Säure, im Abgang unreifes Tannin, keinerlei Sekundäraromen. Der Wein hatte sich nach gut drei Tagen dann irgendwann gefangen, zeigte sich aber nur als solider, belangloser Cabernet-Merlot mit einer schönen Frucht, den man aber beim besten Willen nicht als Comtesse erkannt hätte. Da ist wohl die malolaktische Gärung völlig schiefgelaufen, der Fehler hat dann mit der Zeit  verstärkt. War der Abend denn völlig verflucht?

Nein, denn jetzt kommen wir zu den guten Weinen. Besser als zumindest von mir erwartet war Château La Lagune 1995 (ggg-, austrinken). Ein feiner, klassischer und gut gereifter Bordeaux.  Von seiner Struktur her eher schlank, stand die immer noch sehr präsente, jahrgangstypische Frucht einem wirklich harmonischen Trinkerlebnis etwas im Wege. Sonst aber sehr schön mit Jod, viel Meersaum, Erde, Cassis, Kirsche, gutem Extrakt, mineralisch und immer noch merklichem Holz im Abgang.

Fontana Bianca Barbaresco & Cavallotto Bricco Boschis 2001

Fontanabianca Barbaresco “Sori Burdin” & Cavallotto Riserva Bricco Boschis 2001

Eine wirklich erstaunliche Entwicklung über die letzten Jahre hat der Fontanabianca Barbaresco “Sori Burdin” 1999 (ggg+, jetzt – 2015) genommen. Der war in seiner Jugend ein mehr als nur unfreundlicher Geselle und strotzt auch heute nach fast 14 Jahren immer noch vor Kraft. Changiert im Glas stark, Kirsche, Gewürze, Rosen, Teer, etwas Minze, alles sehr intensiv. Am Gaumen mit einer dichten und lebendigen Frucht, Teer und einem bitterschokoladigem und lang nachhaltendem Tannin im Abgang. Kein Finesse-Wein und immer noch etwas kratzbürstig, aber dafür intensiv, klar und ausdrucksstark.

Wein des Abends war fraglos die Cavallotto Riserva Bricco Boschis 2001 (gggg, jetzt – 2020). Ein absoluter Hammer-Barolo! In der Nase schon nach kurzer Belüftung mit einer faszinierenden Kombination aus Klarheit, Präzision und Intensität. Kirsche, florale und balsamische Noten, Rosen, Teer, schwarzer Tee. Am Gaumen stört kein Holz die klare Frucht. Feine Struktur, schöne Säure, tiefer, vielschichtiger Fruchtkern,  auch hier Teer, Rosen und eine präzise, salzige Mineralik. Im sehr langen Abgang mit immer noch kräftigem, mundfüllenden Tannin. Dürfte in drei bis vier Jahren auf seinem Höhepunkt sein. Da war der Abend wieder gerettet, zumal das Spiel gewonnen wurde.

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