VDP Grosse Gewächse: Präsentationen in Köln und Hamburg 2013 (Teil 1)

Dieser Artikel sollte eigentlich schon viel früher erscheinen, aber nachdem ich damit  fertig war, hatte ich das Gefühl, dass noch nicht alles gesagt ist, und ich manches auch nicht richtig auf den Punkt gebracht habe. Zwischenzeitlich hatte ich dann Gelegenheit einige der Weine der Proben nochmal nachzuverkosten und erst jetzt fühle ich mich gewappnet, ein präziseres und differenzierteres Bild über die aktuellen GG´s des VDP geben zu können.

Während ich jetzt schreibe, habe ich, ganz im Geiste der Verkostungen, die Hermannshöhle 2011 von Dönnhoff im Glas, ein Wein der mir sehr gut gefallen hat und der auch wirkliche Grösse ausstrahlt. Denn das ist bei algemeinen Verkaufspreisen bis weit jenseits der 25 € bei den GG´s ja wohl Pflicht. Die Weine müssen richtig gut sein und beeindrucken.

2013-04-18-16-07-59-312

Das ist groß.

Die in zwei Gruppen von Anbaugebieten aufgeteilte Präsentation, war in verschiedenen Städten in Deutschland auf je zwei Termine verteilt und da ich nicht beide in Köln wahrnehmen konnte, habe ich mich nach der sonntäglichen  Verkostung im Hotel Ernst, gegenüber vom wunderschönen Dom, in meine alte Zu-Hause-Stadt Hamburg begeben, um dort im ebenso schönen Hotel Louis C. Jacob mein Bild von den trockenen Spitzenweinen aus den Jahrgängen 2009 und 2010 bei den Roten und 2011 bei den Weißen zu komplettieren.

Wobei von einem kompletten Eindruck nicht die Rede sein kann. Das hätte meine Kräfte überfordert. Aber von den Rieslingen 2011 und den Spätburgundern aus 2009 und 2010 habe ich doch das Meiste verkostet.

Was als Quintessenz des zweitägigen Verkostungsmarathons geblieben ist?

1. Es gibt in den Jahrgängen 2009 bis 2011 große Weine bei den VDP-Winzern. Diese sind im internationalen Vergleich in der Qualität mit deren Topqualitäten ebenbürtig und dafür teilweise noch recht preiswert, wenn auch nicht billig.

2. Auch beim GG ist nicht alles Gold, was glänzt. Auch wenn das allgemeine Niveau hoch ist, gibt es enttäuschende Qualitäten.

3. 2011 ist sicher kein schlechter, aber vielleicht doch kein absoluter Top-Weißweinjahrgang in Deutschland gewesen. Die Säure der Weine ist eher niedrig, die Weine sind zugänglich, dicht, teilweise cremig und könnten in der Reifung etwas in die Breite gehen. Bleibt abzuwarten, wie sich die einzelnen Weine entwickeln, ich persönlich würde aber keine grösseren Bestände anlegen und die Weine eher früher als später trinken. Die Zeit wird es (wie immer) zeigen.

2009 ist bei der Burgundern (und den Roten allgemein) sehr reif und voll, die 2010er stellen sie in puncto Frucht und Finesse aber in den Schatten. Dafür sind diese, was die Tannine angeht, sehr reifebedürftig, während der süße Schmelz der o9er, bei geringer Säure, eher mehrheitsfähige Frühtrinker hervorgebracht hat, deren Reifepotenzial man aber, wie bei den 2011er Weißweinen, eher etwas kritischer sehen kann. Also: 2009 zum früheren Genuß, 2010 zum Einlagern.

Hier mein persönlich Bestes aus den Anbaugebieten:

Mosel-Saar-Ruwer: Die Weine aus meiner Heimat, mit denen ich mich traditionsgemäß am Intensivsten auseinander setzte, haben mich nicht alle überzeugt. Die spürbare Botrytis ist bei manchem Produzenten und deren Weinen störend. Die Restsüße ist allgemein eher am oberen Ende, was, bei niedriger Säure, etwas auf Kosten der Finesse geht.

Fritz Haag: Brauneberger Juffer Sonnenuhr 2011: Mit der trockenste Wein der Mosel GG´s. Das macht ihn so besonders gut. Ganz fein und elegant mit tollem Schiefermineral und feiner transparenter Frucht. Klassisch, tänzelnd, mit erfrischender Säure. Ein schlanker, eher “leiser” Stoff mit feinem Schmelz, der noch Reife braucht. (ab 2015) (gggg-)

Clemens Busch Marienburg “Falkenlay” 2011: Kräftiger Riesling vom Grauschiefer. Spürbare Restsüße, dabei mit würzigem Schmelz und genialem Saft. Salziges Mineral. Ein hedonistischer Frühtrinker, auch weil in diesem Haus eher niedrig geschwefelt wird. (ggg-gggg)

Reinhold Haart Goldtröpfchen 2011: Hochfein und balanciert. Mit typischer Goldtröpfchen-Würze. Ein saftiger, ungemein trinkiger Riesling mit Suchtfaktor, der jetzt schon richtig Spaß macht, aber auch noch liegen kann. (gggg-)

Dr. Loosen Erdener Prälat 2011: Sehr würzig. Der Rotschiefer lässt grüßen. Hochfein und zugleich mit druckvollem Körper. Spürbare, aber feine Botrytis. Lang. Kann man jetzt schon wunderbar antrinken. (gggg-)

Nahe: Die grossen Namen machen die grossen Weine. Sehr schöne Rieslinge habe ich bei Schäfer-Fröhlich und Schloßgut Diel verkostet. Hervorheben möchte ich aber:

Emrich Schönleber Frühlingsplätzchen 2011: Duftiger, verspielter, sehr feiner Riesling. Schlank, klar und animierend, mit toller Balance. Wirklich genial. (gggg)

Emrich-Schönleber Halenberg 2011: Noch verschlossen aber mit grossem Potenzial. Kräuterduft. Ungemein klar, mit feiner gelber Frucht und perfekter Säure. Tiefgründiger Schmelz. Sehr elegant. Das war für mich an diesem Tag das Beste, was geboten wurde. Ein großer Riesling zum Einlagern. (ab 2015) (gggg+)

Dönnhoff präsentierte Rieslinge mit toller Lagentypizität. Mein Primus ist, nicht unerwartet, die

Niederhäuser Hermannshöhle 2011:
Ungemein dicht und konzentriert, mit druckvollem Körper. Expressiver Duft. Cremige Textur. Reife gelbe Früchte. Blütennoten. Feuchter Stein. Die Säure ist ausreichend prononciert und erhält den Trinkfluß. Salziges Mineral und Würze am Gaumen. Schmelz ohne Ende. Ein Titan. (gggg+)

Pfalz: Ich stehe voll auf die im Holzfaß ausgebauten Rieslinge von hier. Bürklin-Wolf hatte davon schon einige sehr gute Weine, auch aus gereiften Jahrgängen, im Gepäck. Trotzdem ragte für mich ein Weingut und ein Wein heraus:

Von Winning Pechstein 2011: Groß! steht auf meinem Probenzettel. Der Dichteste unter den hauseigenen GG´s. Ein Titan mit Ecken und Kanten. Würzig, cremig und zugleich mit deutlicher, “steiniger” Mineralik und tragendem, reifefähigem Säuregerüst. Weniger fruchtbetont, denn ein burgunderhafter Riesling mit Zukunft. Satt und tiefgründig. Spürbare Holzfaßnote, die man mögen muss. Zum Einlagern und (ab 2015) besonders gut als Speisenbegleiter. Bei einer Nachverkostung zeigte sich der Wein jetzt verschlossen. (gggg)

Rheinhessen: Die Weingüter die ich probiert habe, hatten allesamt sehr schöne Weine. Bei Wittmann und Wagner-Stempel hatte ich das Gefühl, daß beide mit recht viel Kohlensäure gefüllt haben, was mir die Einschätzung, der recht satten, saftigen Rieslinge der beiden Weingüter erschwerte. Beide haben aber wirklich richtig gute Weine in die Flaschen bekommen. Keller wahrscheinlich auch, die hab ich aber dummerweise vergessen zu probieren.

Hervorheben möchte ich jedoch sowieso die eher schlanken Weine der Weingüter Kühling-Gillot und Battenfeld-Spanier, die ja mittlerweile aus einer Hand, aber vom Boden her, von den komplett unterschiedlichen Lagen, der ehemals getrennten Weingüter stammen.

Battenfeld-Spanier Frauenberg 2011: Mit ausgeprägter “offener” Kalksteinaromatik. Geradlinig, feinsaftig und nachhaltig. Ein schlanker, richtig trockener Riesling. Kein Brummer. Noch unruhig. Braucht Zeit, verspricht aber ein wahrhaft tiefgründiges, mineralisches Vergnügen zu werden. (ab 2015) (gggg)

Kühling-Gillot Ölberg 2011: Vom Tonschiefer der Rheinfront. Mit genialem, satten Saft und Würze. Ausgewogener, beeriger Riesling mit viel Trinkfluß und feinem Nachhall. (gggg)

Die anderen Anbaugebiete folgen im Teil 2.

 

Dieser Beitrag wurde unter Features veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen