Bodega Bernabeleva “Navaherreros” Garnacha D.O. Madrid 2009

Prall aber nicht drall: Navaherreros Garnacha de Bernabeleva 2009

Prall aber nicht drall: Navaherreros Garnacha de Bernabeleva 2009

Die Eisheiligen sind vorbei und trotzdem ist es immer noch viel zu kalt.

Frustriert blicke ich zum Fenster hinaus und mir wird klar, dass das, was ich sehe, ganz sicher kein frühlingshaftes Weißweinwetter ist und nur ein praller Roter diesen Tag angemessen begleiten kann.

Beim Durchstöbern der Getränkevorräte stoße ich dann passenderweise auf ein, wie sich heraus stellt, wirkungsvolles Antidepressivum, nämlich diesen Garnacha von der Bodega Bernabeleva aus der D.O. Madrid.

In dieser Herkunft, die vor 10 Jahren noch vollkommen unbedeutend war, weht nunmehr ein innovativer Wind und man findet zahlreiche sehr gute Produzenten mit tollen Weinen zu angemessenen Kursen.

Die Bodega Bernabeleva war mir aber bisher unbekannt und ich bin froh, dass ich auf Empfehlung eines Weinhändlers (Danke Christoph!) diese Bildungslücke jetzt schließen kann, denn dieser Rote des Gutes ist ein besonderer Wein, der bei aller Fülle und intensiven Aromatik, die er sorten- und herkunftstypisch mitbekommen hat, über eine Transparenz und Flüssigkeit verfügt, die man so gleichzeitig nur sehr selten bekommt.

Beim Durchstöbern der Website der Bodega erfahre ich dann auch, dass man im Weinberg nach biologischen und auch biodynamischen Prinzipien verfährt, ohne dass der Betrieb jedoch zertifiziert wäre.

Ich glaube, diesen schonenden Umgang mit den Weinbergen und auch den Trauben im Keller kann man schmecken, und zwar in einer unmittelbar an den Gaumen springenden, natürlichen Saftigkeit und einer -man möge mir diesen unprofessionellen Begriff verzeihen- Entspanntheit, die in diesem Wein steckt und die weit entfernt ist von Gemacht- und Geformtsein und übertriebenem, technischem Weinmaking.

Dieser Wein ruht irgendwie in sich selbst, er erscheint einfach als das was er ist, ist kein Blender und Aufschneider, sondern geradliniger, satter Stoff.

Er transportiert das, was man in den Trauben angelegt hat und dann mit mutmaßlich feiner, verstehener Hand bis zum fertigen Wein begleitet hat. Deswegen wurde wohl auch auf spürbaren Holzfaßeinfluß verzichtet.

Im ausladenden Duft zeigt er mürbe Fruchtaromen von Kirsch und roten Beeren. Schoki,  Minze, etwas Fichtennadel. Der Alkohol tritt zwar spürbar hervor, ist aber nicht störend.

Am Gaumen ist er explosiv und dicht.

Dabei spannt er einen Bogen zwischen wärmendem Alkohol und Extrakt, süßer Fülle, beeriger Frucht, feinsaftigem, säuerlichem Trinkfluß, zupackender, schokoladiger Tanninbitterkeit und langem, salzigem Nachklang.

Da bleiben schlichtweg keine Fragen offen.

Bei 15 % Alkohol ist das sicher kein Wein für den Sommer. Um die kühlen Tage, bis dieser eintrifft zu überbrücken oder für den bald wieder nahenden Herbst, ist er aber ganz sicher ein hedonistisches Vergnügen, dem man nicht aus dem Weg gehen sollte.

Ich würde empfehlen ihn bei 14-16° C zu trinken, denn die Kühle befördert seine schlanke Seite und macht ihn dadurch feiner.

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3G

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