Bordeaux in Bremen III: Haut-Bailly 1989, Trotte Vielle 1989, La Lagune 1989 und mehr

Eher Médoc als Margaux: Chateau Prieure-Lichine 1995

Eher Médoc als Margaux: Chateau Prieure-Lichine 1995

Die Stammleserschaft kennt das  schon: Wenn ich beruflich im Norden zu tun habe, wird das meist mit einer standesgemäßen Weinprobe mit Freunden in Bremen verbunden.

Als Herzstück der Probe waren drei Flaschen 1989er Bordeaux vorgesehen, aber es gab auch sonst ein paar interessante Weine ins Glas:

Der Prieure Lichine 1995 (gg, austrinken) zeigt uns erstmal den Pferdestall, leider gar kein Margaux-Parfum, Johannisbeere, Kirsche, Lakritze, Salmiak. Am Gaumen zwar rund aber insgesamt eher rustikal, präsente, etwas diffuse Frucht. Erdig. Hat noch Tannin, ist aber dann im Abgang etwas kurz. Würde man blind eher im nördlichen Medoc als in Margaux verorten.

Es war vielleicht nicht die allerbeste Flasche, aber der Prunotto Barolo Bussia 2000 (g, austrinken) hat uns ziemlich enttäuscht. Blieb auch nach Stunden an der Luft sehr zurückhaltend und fast schon dumpf. In der Nase verhalten mit etwas Kirsche, Teer und Rosen. Am Gaumen kompakt und verschlossen, merkliches Feuer, süß und undifferenziert. Kann man trinken, will man aber eigentlich nicht wirklich. Ohne Frage muß da nochmal nachverkostet werden.

Der Wein des Abends. Ein feiner, distinguierter Haut-Bailly 1989

Der Wein des Abends. Ein feiner, distinguierter Haut-Bailly 1989

Lecker hingegen die Delheim Grand Reserve 2006 (gg-ggg, jetzt bis 2014) aus Stellenbosch. Nominell  ein Bordeaux Blend aber mit 95% Cabernet Sauvignon Anteil. Ein typischer Südafrikaner, volle, aber nicht überreife Frucht, dicht und intensiv, schwarze Johannisbeere, Cassis, etwas Kirsche, Minze, Cigarbox. Kaum Tannin, dafür ist das von sehr guter Qualität.

Dann ging es zu den 1989ern Bordeaux. Während viele 1990er schon auf dem absteigenden Ast sind und die 1988er ihr optimales Fenster noch nicht erreicht haben, sind die 1989er im Moment eigentlich im besten Trinkalter.

Klassisch und noch  bestens in Form kam der La Lagune 1989 (ggg, jetzt – 2018) ins Glas. In der Nase mit Zeder, Leder, Kirsche, Waldboden, Pilzen und etwas Cassis. Am Gaumen herrlich weich und rund aber durchaus mit Struktur. Eher leichter Körper, Kirsche, erdige Noten, Meersaum. Das Tannin ist bereits vollständig aufgelöst. Mit 12.5% ein schöner, typischer Haut-Medoc.

Mürbe und mit geilem Schmelz: Trotte Vielle 1989

Mürbe und mit geilem Schmelz: Trotte Vielle 1989

Feiner und geschliffener zeigte sich der Haut-Bailly 1989 (ggg+, jetzt – 2016). Braucht noch einige Stunden an der Luft. Tendiert Richtung rotbeerige Frucht, Leder, schwarzer Tee und Sandelholz. Am Gaumen sehr leicht, mit feinem roten Fruchtkern, Mineral, süße Würze und toller Schmelz, im Abgang noch ausgeprägtes Tannin. Da fehlt dann die letzte Harmonie für höhere Weihen.

Auch  Trotte Vielle 1989 (ggg-, austrinken), das wohl schwächste der Premier Grand Crus aus St. Emilion, zeigte sich in diesem Jahrgang von seiner besten Seite. Zwar schon sehr tertiär in der Nase, dabei aber gleichzeitig intensiv und eindringlich, Waldboden, Pilze, Cola, mürbe Kirsche, Leder, etwas Kaffee.

Am Gaumen extrem fein, genialer Schmelz, Pflaume, Kirsche, im Abgang Kaffee und etwas Schokolade. Trinkt sich jetzt noch sehr gut, dürfte aber in den nächsten Jahren weiter abbauen.

Wie immer ein sehr schöner Abend – bis zum nächsten Mal.

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