Sommernächtlicher Umtrunk mit Pontet-Canet 1996, Elio Grasso Barolo Gavarini Vigna Chiniera 1997, Château d’Ampuis 2001 und Monbrison 2009

Mit diesem gut gelaunten Quartett haben wir den Abend bestritten.

Mit diesem gut gelaunten Quartett haben wir den Abend bestritten.

Mein Abend fing mit einer  eigentlich schon einkalkulierten Enttäuschung an: Auch die zweite Flasche des Cavallotto Barolo Riserva Vignolo 1990, als Paar in einer Auktion gekauft, war vollständig oxidiert und über den Jordan.

Warum habe ich die Flasche überhaupt noch aufgemacht und nicht einfach mit ein paar warmen Worten auf Ebay eingestellt, damit sich ein anderer Glückspilz daran “erfreuen”  und ich meine Verluste begrenzen kann?

Ganz ehrlich: Weil ich das für eine ziemlich Sauerei halte. Es ist zwar offensichtlich gerade auf Ebay gängige Praxis, wissentlich überalterte und schlecht gelagerte Weine mit entsprechend vage formuliertem Auktionstext unter die Leute zu bringen. Aber ich finde es ganz schlechten Stil, wenn ein Weinamateur dem anderen auf diese Art einen kaputten Wein unterjubelt. Unter den Tisch trinken ja,  über den Tisch ziehen nein.

Sprechen wir also über etwas Erfreulicheres: Der als Ersatz geköpfte Elio Grasso Barolo Gavarini Vigna Chiniera 1997 (gggg, jetzt – 2016) war natürlich deutlich jünger, aber nichtsdestotrotz ein großartiger Wein. Den hatten wir vor gut einem Jahr schon mal im Glas und er hat zwischenzeitlich noch etwas zugelegt. Ein sehr eleganter, ätherischer Wein mit den typischen Noten von Teer, Rosen, schwarzem Tee und feiner, kirschiger Fruchtnote. Am Gaumen klar, präzise und mit kristalliner Frucht. Ausgeprägte Mineralität  und sogar mit einer gewissen Erdigkeit. Langer Abgang, perfektes Tannin, großer Wein!

Ein echter Bilderbuch-Pauillac: Pontet-Canet 1996

Ein echter Bilderbuch-Pauillac: Pontet-Canet 1996

Ebenfalls hervorragend der Pontet-Canet 1996 (gggg-, jetzt – 2020). Ein Pauillac aus dem Lehrbuch mit einer sehr präsenten und komplexen Nase aus Zedernholz, Tabak, Leder, Brombeere, Cassis, Kirsche, stellenweise auch Waldbeeren und grüner Paprika. Am Gaumen rund, perfekt ausbalanciert und noch sehr präsent. Seidige Textur. Etwas Meersaum, Mineral, Cabernet-Würze, Erde,  feinkörniges aber größtenteils schon aufgelöstes Tannin im wirklich starken Abgang. Vielschichtig, dabei changiert er stark. Man kann hier auf sehr hohem Niveau mangelnde Präzision und vielleicht auch Dichte kritisieren, muss man aber nicht. Braucht noch Luft und dürfte problemlos weitere 10 gute Jahre vor sich haben.

Gegen diese beiden Schwergewichte ist der Guigal Château d’Ampuis Côte-Rôtie 2001 (gg+, austrinken) dann doch deutlich abgefallen. Etwas stumpf in der Nase, kühl, undefinierte aber fast schon rosinige Frucht. Am Gaumen dann besser, rund und durchaus mit Druck und schöner Frucht, auch Würznoten. Der Nachhall ist ordentlich. Hat zwar etwas von der Côte-Rôtie Magie, ist aber insgesamt deutlich zu einfach gestrickt und hochgradig unspektakulär. Sicher, 2001 war kein großes Jahr an der Rhône, aber für den aufgerufenen Preis (um 50 EUR) völlig indiskutabel.

Ein echter Hammerwein zu mit unschlagbarem Preis-Leistungsverhältnis ist der Monbrison 2009

Ein echter Hammerwein zu mit unschlagbarem Preis-Leistungsverhältnis ist der Monbrison 2009

Da wir trinken was wir predigen liegen von dem auf der UGCB-Probe für gut befundenen Château Monbrison 2009 (ggg+, 2015-2022) auch ein paar Flaschen im betterwine Keller. Der passte in seiner Jugend und dem brachial-fruchtigen 2009er Stil natürlich nicht so ganz zu den anderen Weinen, konnte sich aber auch im jetzigen Stadium und nach ein paar Stunden im Dekanter durchaus behaupten. In der Nase unheimlich expressiv, Röstaromen, Pain grillé, Kaffee, Schokolade, exotische Würznoten, ätherisches Holz, dazu fette Brombeere und Cassis.

Am Gaumen perfekt komponiert, fleischig, stoffig, rund, mit animierendem Trinkfluß und jeder Menge Druck. Vom tiefen, dunkelfruchtigen Kern dominiert, zeigt der Monbrison aber durchaus Struktur und geniales, schokoladiges Tannin und einen langen Abgang. Wer die New Bordeaux © Stilistik oder einfach nur richtig guten Wein mag, wird hier unter 30 Euro fündig.

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3 Antworten auf Sommernächtlicher Umtrunk mit Pontet-Canet 1996, Elio Grasso Barolo Gavarini Vigna Chiniera 1997, Château d’Ampuis 2001 und Monbrison 2009

  1. Alex sagt:

    Ja, ich hatte mir auch deutlich mehr erhofft. Aber Côte-Rotie scheint in schlechteren Jahrgängen zu sehr unspektakulären Weinen zu neigen. Möglicherweise war die Flasche nicht perfekt, andererseits sind 12 Jahre ja eigentlich auch kein Alter für einen solchen Wein…

    LG,
    Alex

  2. ralph sagt:

    Dass der Cotie Rotie so abfällt, hätte ich nicht gedacht. Schlechte Flasche vielleicht?
    grüße ralph

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