Château d’Aiguilhe 2010

Eines vorweg: Für laue Sommerabende ist der d’Aiguilhe mit seinem satten 15.0 % Alkohol nur bedingt geeignet. War zwar zu erwarten, konnte aber durch entsprechenden Selbstversuch weiter erhärtet werden.

Ein Wein der Extreme: Chateau d'Aiguilhe 2010

Ein Wein der Extreme: Chateau d’Aiguilhe 2010

Warum also gerade jetzt? Reine Neugier. Er stand im hiesigen Supermarkt (in Luxembourg) für 19,90 je Flasche kistenweise auf der sprichwörtlichen Palette. Das erschien mir als günstig – was eine kurze Recherche auch bestätigt hat. Da wurden in der Subskription um 23,00 ex-negociant aufgerufen und er steht jetzt z.B. bei Lobenberg für 27,50 EUR im virtuellen Regal. Das nur als kurzer Exkurs zum Thema Bordeaux, Jahrtausendjahrgang 2010 und Spekulation: von künstlicher Verknappung, inflationärer Preisentwicklung, unverkauften Beständen bis hin zur unvermeidlichen Korrektur.

Das alles kann man dem Wein selbst natürlich nicht zum Vorwurf machen. Der kommt vom rechten Ufer, genauer der Satelliten-Appellation Côtes de Castillion und aus dem Stall des umtriebigen Grafen Neipperg. 80% Merlot, 20% Cabernet Franc bei – wie schon erwähnt – 15% Alkohol.

Wie die meisten 2010er im Moment schon aus seiner ersten Fruchtphase raus und sehr verschlossen. Der Wein steht dunkel und opak im Glas, in der Nase vor allem dichte und intensive Frucht, Brombeere, Blaubeere, schwarze Kirsche und Pflaume, etwas Lakritze, zurückhaltende Röstnoten und Kaffee vom Holz.

Am Gaumen mit massiver, etwas spitzer Säure, die Frucht ist diffus, aber dafür enorm dicht und hochkonzentriert, vor allem Kirsche und Brombeere.  Darunter kann man  süße Würznoten und feine Kalkstein-Mineralität  allenfalls erahnen. Ebenfalls mächtiges Tannin im Abgang, dass sich aber recht gut integriert. Insgesamt erstaunlich kühl und muskulös, beinahe schon rustikal, ein dunkler und im Moment eher abweisender Wein.

Ob er zwischenzeitlich noch einmal aufgehen wird möchte ich nicht prognostizieren, aber  die nächsten fünf Jahren sollte man ihn ganz sicher im Keller ruhen lassen. Wie sich der Wein dann mit seinem enormen Werten an Alkohol, Säure, Fruchtextrakt und Tannin präsentiert, bleibt abzuwarten.

gekauft für 19,90 EUR im Supermarkt (Match) / Trinkfenster: nicht vor 2018

2G

 

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