Prieuré Saint-Jean de Bébian Coteaux du Languedoc 2000

Dieser Wein ist nicht einfach, lässt sich in keine Schublade stecken. Auch wenn das hier  mittlerweile meine fünfte Bouteille in vier Jahren ist, hält er immer wieder eine Überraschung in den Tiefen der Flasche bereit.

Den Weinbau brachten die Römer wohl schon im ersten Jahrhundert nach Pézenas im Languedoc, die namensstiftende Prieuré de Saint-Jean de Bebian wurde im 11. Jahrhundert gegründet, 1152 ist dann der Ankauf von Weinbergen durch die Mönche in der Region verbrieft. In den 1970ern wurde das Weingut von Alain Roux wiederbelebt, der einen Großteil der 33ha des Familienbesitzes mit Syrah, Mourvedre und vor allem Grenache neu bestockte. Die per Selection Massale gepflanzten Setzlinge hat sich Roux von Chave (Hermitage), Rayas (Chateauneuf) und Tempier (Bandol) besorgt. Eine weitere Besonderheit ist ein großer Plot, auf dem in der Art eines gemischten Satzes alle 13 Rebsorten der Appellation Châteauneuf-du-Pape gepflanzt wurden. Das Weingut wurde zwischenzeitlich an einen russischen Investor verkauft, der 2000er stammt aber noch aus der Zeit vor der Übernahme.

Ein echtes Biest von einem Wein: Prieuré Saint-Jean de Bébian 2000

Ein echtes Biest von einem Wein: Prieuré Saint-Jean de Bébian 2000

In der Nase blutig, Rauch, eine amtliche Stallnote, Lakritze, Garrique, getrocknete Blumen, Brombeere, süße, eingekochte Früchte, fast schon rosinig, ganz leicht alkoholisch, was bei 14.5% nicht verwundert, changiert immer noch stark, später Kaffee, Röstnoten, etwas Zeder.

Am Gaumen im Antrunk erstaunlich frisch und mit guter Säure, mittlerweile sehr harmonisch verbunden mit dem immer noch massivem Extrakt. Dann der tiefdunkle, eingekochte Fruchtkern, Blau- und Brombeere, Pflaume, der aber gleichzeitig eine gewisse Vielschichtigkeit aufweist. Kräuterige, süße, und mediterrane Würze, aber auch Teer, Lakritze, feines und präsentes, sogar leicht schokoladiges Tannin im Abgang, leider auch mit alkoholischem Feuer, die dichte Frucht hält lange nach. Klingt verrückt, aber gerade im Abgang könnte man auch an Nebbiolo oder Aglianico denken.

Eigentlich sind fette Languedocs mit 14.5% Alkohol und Extrakt bis zur Schmerzgrenze nicht mein Ding (Überraschung!), aber der Prieué Saint-Jean de Bébian hat mich über die Jahre immer wieder zu sich gelockt. Der Wein entwickelt sich nach 13 Jahren immer noch weiter, hat eine ursprüngliche, rohe Qualität, die mittlerweile durch eine gewisse Harmonie und Vielschichtigkeit ergänzt wird. Ein kleines Stück Neuland, ein wilder, kantiger Wein, offensichtlich durchaus lagerfähig, der sich deutlich von den moderneren, auf Hochglanz polierten Weinen des Languedoc abhebt. Das macht ihn nicht unbedingt besser, aber interessanter. Dafür gibt es sehr knappe, aber abenteuerlustige drei Punkte.

Den 2000er habe ich online nicht mehr gefunden, aber der Jahrgang war wohl eh nicht der Beste. Die Französische Weinbotschaft hat 1997er für 16,50 EUR und 2001er für 22,75 EUR, die ich aber beide noch nicht probiert habe. Sollte aber kein Problem sein, es ist ja auch ein Wein für Abenteuerlustige 😉

3G

 

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