Sottimano Langhe Nebbiolo 2010

Geradlinig und herzhaft: Sottimano Nebbiolo Langhe 2010

Geradlinig und herzhaft: Sottimano Nebbiolo Langhe 2010

Da unser Wein des Monats im September wegen fehlender Zeit und Muße ausgefallen ist, können wir bei stetig fallenden Temperaturen und ersten richtig kühlen Nächten als besondere Empfehlung jetzt gleich zu einem herbstlichen Rotwein kommen.

Weine aus der Nebbiolo-Traube sind bekanntermaßen nicht jedermanns Sache, was   an den recht garstigen Tanninen liegt, die diese Traube produziert und die oftmals sehr lange brauchen, um sich zu integrieren, wenn das überhaupt je passiert, ehe sich die Frucht über die Jahre des hoffnungsfrohen Wartens dann doch verabschiedet hat.

Sicher, es gibt auch eher weiche Vertreter, bei denen man kellertechnisch und durch den Ausbau in neuen Barriques nachgeholfen hat, um konsumentenfreundlichere Rote zu erzeugen. Diese reifen dann aber oftmals recht schlecht und wirken durch ihre aufgesetzte Modernität eher charakterschwach und austauschbar. Über das, was in Supermärkten und Discountern unter dem Namen Barolo oder Barbaresco angeboten wird, wollen wir erst gar nicht reden.

Dass es einen guten zeitgemäßen Mittelweg zwischen Ambition und Sortenidentität gibt zeigt der Langhe Nebbiolo von Sottimano hingegen auf gelungene Art und Weise.

Die Trauben für diesen Wein stammen von einer klassischen Lage im Barbarescogebiet, am Rande des Bereiches Neive, die knapp 4 ha umfasst. Sie wären also durchaus als Barbaresco klassifizierbar. Da die Reben, die sie hervorbringen aber noch nicht das Alter erreicht haben, um wirklich komplexe Weine mit Schmelz und Tiefe hervorzubringen, verzichtet die Familie Sottimano auf diesen Status und bringt diesen Wein als einfachen Nebbiolo Langhe auf den Markt.

Die Pflege des Weinbergs erfolgt nach der Philosophie des Hauses so schonend wie möglich, genau wie die Arbeit im Keller.

Hier wurden die gesunden, reifen Trauben des 2010er Jahrgangs entrappt und über zwei Wochen mazeriert und durch eigene Hefen vergoren. Das sorgte für eine intensive Aromatik und kräftiges, reifes Tannin, das danach durch den Ausbau in zu einem Viertel neuen Fässern aus dem Burgund, harmonisiert wurde. Gefüllt wird bei Sottimano grundsätzlich ungefiltert und ohne große Schönungsmaßnahmen.

Im Glas zeigt dieser kleine Nebbiolo dann alles, was man von ihm erwarten kann, aber erst wenn man ihn mindestens 4 Stunden karafiert, oder über mindestens einen Tag in der offenen Flasche belüftet hat.

Im Duft noch zurückhaltend, mit kompakter, kühler Frucht von roten Waldbeeren und Kirsch. Spürbare, aber passende ätherische Holznote mit Anklängen von orientalischen Gewürzen. Lakritzige Herbe. Muskat. Orangenblüten. Weißer Pfeffer. Mit zunehmender Zeit an der Luft entwickelt sich dann sogar eine elegante Süße.

Am Gaumen bleibt er aber immer fordernd, mit typischem tanninherben und zugleich extraktsüßem und säurefrischem Spiel. Kristalline, wiederum rotbeerige Frucht.

Bleibt pelzig nach und verfügt auch deshalb über keine große Länge, was man aber auch nicht erwarten darf, zumindest nicht im jugendlichen Stadium, in dem sich der Wein noch befindet.

Dafür hat seine transparente, schlanke Art, die aber vom unterschwelligen, reifen Extrakt getragen wird, einen appetitanregenden Charakter, der ihn zu einem tollen Begleiter zur kräftigen herbstlichen Pilzpfanne oder zur Entenbrust macht.

Er wird sich sicher noch verbessern und harmonisieren, dabei aber wahrscheinlich immer auch ein rauher, geradliniger Geselle bleiben. Das ist ganz einfach sein (typischer) Charakter.

In 1-2 Jahren sollte er seine beste Trinkphase erreichen. Dann wird er sicher noch ein paar Jährchen halten.

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3G

 

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