Bordeaux 2011 Arrivage: Larrivet Haut-Brion, Tour de Pez, Clos Rene, Chantelune

Foire aux Vins in Luxembourg und Frankreich, wie immer eine Gelegenheit, sich erste Eindrücke über den aktuell gefüllten Bordeauxjahrgang, also 2011, zu verschaffen. Das Angebot war allerdings relativ übersichtlich, die Lager sind noch voll mit dem vorherigen Jahrgang. Entsprechend stehen überwiegend 2010er zum Verkauf, die mit deutlichen Abschlägen zu den Subskriptionspreisen aufwarten. Um nur einige zu nennen: Giscours 45,00 EUR, Smith Haute Lafitte 85 EUR, Lynch Bages 125 EUR, Lafon Rochet 36 EUR. Das ist natürlich immer noch nicht günstig, aber teilweise 30-40% unter den momentanen Listenpreisen. Wer also noch jung und mit ausreichend Kleingeld ausgestattet ist, macht hier mit einer Kiste Giscours oder dem genialen Smith Haute Lafitte sicher keinen Fehler.

Kleinere Bordeaux 2011 in der Arrivage: Clos René, Tour de Pez, Larrivet Haut-Brion, Chantelune

Kleinere Bordeaux 2011 in der Arrivage: Clos René, Tour de Pez, Larrivet Haut-Brion, Chantelune

Genug von 2010, hier unsere ersten Eindrücke von einigen kleineren 2011ern, die wir über mehrere Tage beobachten konnten:

Der Château Larrivet Haut-Brion 2011 (13.5% Alkohol, 50% Cabernet Sauvignon, 50% Merlot) ist in der Nase erst einmal zurückhaltend, kühl, Kirsche, vegetabile Noten, dezente Vanille, rustikale  Röstaromen vom Holz. Wird später feinfruchtig und zeigt dann diese betörende, pessac-typische Melange aus süßer Würze und Sandelholz.

Der Eindruck am Gaumen ist zunächst auch gut, mittlerer Körper, klar, frisch und animierend, Frucht und Säure befinden sich in schöner Harmonie, süße Würznoten, etwas Vanille und Röstaromen vom Holz. Das Tannin im Abgang ist leider unsauber, bissig und grün, mithin unreif. Das gibt sich nach einigen Tagen an der Luft etwas, verschwindet aber nicht vollständig. Für einen Wein dieser Preisklasse eigentlich inakzeptabel und höchst bedauerlich, denn hier wäre deutlich mehr möglich gewesen. Die Zeit sollte es richten, aber jung macht der Wein keine Freude. (g-ggg, ab 2022, gekauft für 24 EUR)

Der Clos René 2011 (13.5% Alkohol) zeigt sich mit einer fruchtigen und intensiven Nase, Schwarzkirsche, leicht marmeladig, Kaffee, dunkle Schokolade.

Am Gaumen erstaunlich dicht und muskulös, zur Zeit noch unharmonisch, schöne kirschige Frucht, das  rustikale Tannin ist leicht trocknend und auch etwas unsauber, hat sonst aber eine schöne schokoladige Note. Insgesamt wie immer eher eindimensional, aber sehr intensiv. Ein ordentlicher Brocken Pomerol. Erinnert ein wenig an den 2008er, auch kein Frühtrinker (gg, ab 2020, gekauft für 20 EUR).

Da heult der Wolf den Mond an: der Chateau Chantelune 2011 ist ein modern gemachter, internationaler Merlot aus Margaux

Da heult der Wolf den Mond an: der Chateau Chantelune 2011 ist ein modern gemachter, internationaler Merlot aus Margaux

Château Chantelune hatte ich heute zum ersten Mal im Glas. Das relativ kleine Weingut aus der Appellation Margaux wird von dem dem technischen Direktor von Cantenac Brown, José Sansfins,  vollständig biodynamisch bewirtschaftet. Steht mit 13% Alkohol im Glas, offensichtlich ein sehr hoher Merlot Anteil.

In der Nase Kirsche, etwas Cassis, feiner Tabak, Lakritze, Würznoten, Vanille, etwas Kokos später sogar eine Idee von zurückhaltendem Margaux-Parfum.

Am Gaumen sehr komplett und rund, schöne Säure, feine, rotbeerige Frucht, durchaus mit Extraktsüße, Cabernet-Würze, feinkörniges, süßes  Tannin im Abgang. Sehr gefällig, modern und international gemacht, vielleicht ein wenig zuviel Holz für die Substanz des  Weines, eher für den direkt Genuß gedacht  (gg+, 2015-2020, gekauft für 22 EUR).

In der Nase zurückhaltend ist der Château Tour de Pez 2011. 13% Alkohol, 76% Merlot, 24% Cab Sauvignon). Kirsche, leicht süße Würze, ganz subtile Anklänge von Kaffee und Röstaromen. Am Gaumen schlank, fast schon streng, saftig mit guter Säure, rote Frucht, Kirsche, etwas Schmelz, leicht erdig, Kaffee und Röstaromen. Das Tannin ist auch hier eher rustikal und trocknend, integriert sich mit mehr Luft aber gut. Zeigt am zweiten Tag auch dunkle Beeren, Cassis und etwas Brombeer. Alles in allem zwar hochgradig unspektakulär, aber zumindest ein blitzsauberer, klassischer Saint Estephe, der geradezu nach Essen schreit (gg, 2016-2022, gekauft für 14,50 EUR).

Die Weine sind nicht schlecht, aber das Thema des Jahrgangs ist wohl die phenolische Reife, auch scheint die Qualität insgesamt eher unregelmäßig zu sein. Wie es aussieht werde ich am Sonntag an einer Probe mit diversen 2011ern Grand Crus teilnehmen können, um dort die Eindrücke auf einem anderen Level noch etwas vertiefen zu können.

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