Mehr als eine Handvoll kleine Piemonteser – Dolcetto, Barbera und Nebbiolo von Bartolo und Giuseppe Mascarello, Bruno Giacosa, Brovia und Luciano Sandrone

Für die Stammleserschaft wenig erstaunlich geht es uns dabei nicht um die Piemonteser Bullen. Anbetungswürdige Tiere, gar keine Frage. Aber das Thema heute sollen die vermeintlich kleineren Weine des Piemont sein, Dolcetto und Barbera – ein Nebbiolo d’Alba hat sich auch noch eingeschlichen. Keine große Vergleichprobe, sondern eher eine kleine informelle Expedition durch den betterwine Keller.

Luciano Sandrone Nebbiolo d'Alba Valmaggiore 2008

Luciano Sandrone Nebbiolo d’Alba Valmaggiore 2008

Für mich ehrlich gesagt etwas unspektakulär der Luciano Sandrone Nebbiolo d’Alba Valmaggiore 2008 (gg+). Der Wein wird auf der “falschen” Seite des Tanaro angebaut, eine relativ neue Anlage, dicht bestockt, Ertrag reduziert auf unter 30hl/ha. Ungewöhnlich aber trotzdem klar als Nebbiolo zu erkennen, warme, süße Frucht, weniger Kirsche,  in der Nase, eher Erdbeere und Himbeere, später auch Minze, ein wenig Rosen, sauberes Tannin im Abgang, kein merkliches Holz. Eher Barbaresco als Barolo, aber definitiv auf der feinen Seite. Vielleicht einfach noch ein paar Jahre liegen lassen, Substanz genug hat er.

Brovia Dolcetto Vignavillej 2009 & Bruno Giacosa Falletto Dolcetto d'Alba 2010

Brovia Dolcetto Vignavillej 2009 & Bruno Giacosa Falletto Dolcetto d’Alba 2010

Großartig der Dolcetto Vignavillej 2009 von Fratelli Brovia (gg+). In der Nase eher zurückhaltend, viel Kirsche, süßes Pflaumenkompott und eine Idee von Mandel. Am Gaumen sehr rund, dicht und extraktreich, fruchtbetont, Kirsche, Pflaume, etwas Bitterschokolade, erdig, im Abgang nur leicht adstringierendes Tannin, Mandeln im Nachgang. Besser als 2008.

Jünger, und druckvoller der Dolcetto Falletto di Serralunga d’Alba 2010 von Bruno Giacosa  (gg). Kirsche, pikante rote Beeren, etwas vegetabil in der Nase.
Schlank, kühl, fast schon streng, rotfruchtiger, mit mehr Säure und Druck als der Brovia 2009, leicht mineralische Würze, erdig, Mandel, merkliches aber sehr gutes Tannin im Abgang. Guter Trinkfluß, animierend.

Spannend der Giuseppe Mascarello Dolcetto d’Alba 2010 (ggg). Sehr interessante Nase mit Lavendel, Veilchen, Pflaume und Kirsche. Dicht, einerseits üppig und rund aber auch mit einer inneren Spannung. Kirsche, Pflaume, zurückhaltende Würze, perfektes, feinkörniges Tannin, das leicht bittere, exquisite Mandelaroma im Abgang hält lange nach. Viel besser geht Dolcetto nicht.

Bartolo Mascarello Barbera d'Alba San Lorenzo 2008 vs. Luciano Sandrone Barbera d'Alba 2008

Bartolo Mascarello Barbera d’Alba San Lorenzo 2008 vs. Luciano Sandrone Barbera d’Alba 2008

Absolut genial der Bartolo Mascarello Barbera d’Alba Vigna San Lorenzo 2008  (ggg-). Direkt aus der Flasche blutig, amtlicher Bret-Stinker, Kirsche, balasamisch-würzige Noten, Lakritze, Leder. Am Gaumen mit knackiger Säure, frisch, dichte und dunkle Frucht, Schwarzkirsche, Pflaume, pikante Würze, die lange nachhält, praktisch kein Tannin. Runder, intensiver und  unverfälschter Barbera von einem der großen Traditionalisten des Barolo.

Deutlicher von der Säure dominiert und etwas unharmonisch ist der Luciano Sandrone Barbera d’Alba 2008 (gg-). In der Nase würzig, balsamisch, Gewürznelke, dunkle Kirsche,  Pflaume, leicht dropsig, zurückhaltende Holznoten. Spült ordentlich, die dunkelkirschige Frucht kommt da nicht ganz gegen an, etwas laktisch, kein nennenswertes Tannin, die Säure hält nach. Perfekter Essensbegleiter.

Zugegeben, dass hier sind jetzt keine Wald- und Wiesen Weine sondern alles große Namen. Deshalb erstaunt die hohe Qualität nicht wirklich. Alle Weine sollten im Handel unter 20, die meisten um die 15,00 EUR erhältlich sein. Dolcetto und Barbera kann man sehr jung trinken, sind also ganz besonders, aber natürlich nicht nur, für Weinfreunde ohne Keller zu empfehlen.

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