Château Gruaud Larose 2002

Es ist noch gar nicht so lange her: Klassischer Bordeaux in Perfektion bringt der Gruaud Larose 2002 ins Glas.

Es ist noch gar nicht so lange her: Klassischer Bordeaux mit Gruaud Larose 2002.

Die letzten zwei Wochen habe ich mich durch die Bordeaux-Niederungen des betterwine-Kellers getrunken, um etwas Platz zu schaffen und mich der Trinkfenster zu versichern. Das hat auch Spaß gemacht, aber wenig blogwürdige Erkenntnisse zu Tage gefördert. Kleine 2005er vom rechten Ufer sollte man langsam  austrinken, während die kleinen 2005er von der anderen Seite zumindest mal ihre Trinkreife erreicht haben. 2006 ist rustikal und noch zu, 2008 steckt noch im Holz und ist zu, die meisten kleineren 2009er sind immer noch in ihrer durchaus leckeren Fruchtphase.

Also alles ganz nett, aber nachdem sich die Reihen etwas gelichtet hatten sollte  zur Belohnung auch mal wieder was richtig Gutes ins Glas. Da unter der Woche keine Zeit für Dekantierorgien ist, denen ich eh nicht viel abgewinnen kann, war ich hocherfreut, als mir ein Château Gruaud Larose 2002 in die Hände fiel. Gruaud kann richtig gut sein und für 2002 ist ein guter Zeitpunkt. Und mal ehrlich, wer kann schon einem solch schamlosen Motto wie Le vin des rois, le roi des vins widerstehen? Ich jedenfalls nicht, also war  die Entscheidung rasch gefallen.

In der Nase sofort als großer klassischer Bordeaux zu erkennen, blind hätte ich den Wein  mit seiner süßen, betörenden Sandelholznote aber eher in Pessac verortet. Wird mit etwas Luft aber differenzierter, dunkle und rote Beeren, Zeder, Tabak, Lakritze und Meersaum. Am Gaumen rund, fast schon weich, guter Säurenerv, ausgewogene, zurückhaltende rotbeerige Frucht, durchaus mit Extrakt, leichte Würze, mineralisch, das eigentlich feine Tannin ist gut integriert, langer Abgang. Hier zeigt sich die einzige Schwäche des Weins, das Tannin hat eine ganz leicht unreife, grüne Note. Ansonsten ein perfekt ausbalancierter, schlanker Bordeaux und sicher eines der Highlights des Jahrgangs.

Jetzt austrinken, hält bestimmt noch ein paar Jahre, wird aber sicher nicht mehr besser.

Gekauft vor etwa drei Jahren für 26,00 EUR in Auktion / Trinkfenster jetzt – 2016
Online gefunden bei MA Wine für immer noch akzeptable 39,00 EUR

3G

 

Dieser Beitrag wurde unter Bordeaux, Frankreich, St.Julien abgelegt und mit , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

4 Antworten auf Château Gruaud Larose 2002

  1. ralph sagt:

    Man lernt nie aus… Vielen Dank für die Infos!

    Grüße Ralph

  2. marco sagt:

    Hallo Ralph,
    chemisch gesehen stammt der “Meersaum” von einer Schwefelverbindung.
    Die kann man vorallem im Geruch von Weinen Südwestfrankreichs und Bordeaux´s finden. Ist im Laufe der fortschreitenden Modernisierung der Weinbereitung nicht mehr so häufig antreffen, wie noch bis in die 80er und Anfang 90er Jahrgänge. Wenn Du es genauer wissen möchtest, müsste ich noch mal recherchieren. Den Begriff “Meersaum”hat übrigens ein Freund von uns geprägt, das Copyright liegt somit bei ihm ;-). Wir fanden ihn anhand der Anschauungsbeispiele, die wir im Glas hatten, sofort nachvollziehbar, weswegen wir ihn auch gerne bei unseren Verkostungsnotizen verwenden.

    Grüße
    Marco

  3. Alex sagt:

    Hi Ralph, gut das du fragst 😉

    Meersaum ist die Grenze zwischen Meer und Strand, wo (je nach Strand) eine salzige Schaumkrone zurückbleibt.

    Der Begriff ist sicherlich nicht teil des offiziell anerkannten Verkoster-Kanons. Aber wir verwenden das schon immer so für diese spezielle salzig-mineralische Note, die man vor allem bei einigen besseren Bordeaux findet.

    LG
    Alex

  4. ralph sagt:

    Was ist MEERSAUM?? Noch nie gehört.

    Grüße ralph

Kommentar verfassen