Bordeaux 2010 Union des Grands Crus: Margaux, Moulis, Listrac & Medoc

Wie eigentlich jedes Jahr zeigte sich Margaux eher uneinheitlich, die Weine wussten aber überwiegend durch ihre saftige und elegante Art zu gefallen. Besonders überzeugte uns aber ein Wein aus dem angrenzenden Moulis-en-Médoc.

Chateau Poujeaux 2010: Ein maskuliner, vom Cabernet geprägter Wein. Intensive Nase von Cassis, roter Johannisbeere, etwas Minze, Tabak, feine Holznoten. Druckvoll am Gaumen aber gleichzeitig sehr geschliffen, kühl und elegant. Die extraktreiche Frucht, subtile Cabernet-Würze, Mineralität und das feinkörnige Tannin ergeben einen gleichzeitig kräftigen und harmonischen Bordeaux mit tollem Trinkfluß. Ein sehr schöner Erfolg und, da lehnen wir uns mal etwas aus dem Fenster, der wohl beste Poujeaux seit geraumer Zeit. (ggg)

Chateau Clarke 2010: War uns zu füllig und eindeutig. Eingekochte, pflaumige Frucht, Kirsche, hoch extrahiert, hoch unspektakulär. (gg)

Chateau La Tour Carnet 2010: Eine ausführlichere Verkostungsnotiz findet ihr hier. Zeigte sich auf der Probe erwartungsgemäß noch verschlossener und ließ nur wenig raus. Wir haben ihn im Kontext mit den besonders feinen Giscours und Brane-Cantenac getrunken, da wirkte vor allem das Tannin etwas rustikal. (ggg-)

Chateau Brane-Cantenac 2010: Seit 2008 folgt hier ein schöner, eleganter Margaux auf den anderen. Breit gefächerte, vielschichtige Frucht, rote Beeren, Cabernet, florales Margaux-Parfum. Auf eine subtile Art sexy und verführerisch, am Gaumen eher leicht in der Anmutung, für den Jahrgang schlank und elegant, toller Trinkfluß, süßes, feinkörniges Tannin. Ein ehrlicher Wein und ein feiner Margaux. (ggg+)

Chateau du Tertre 2010: Ist sich in 2010 wieder treu geblieben und auch blind zu erkennen. Florales Margaux-Parfum, Graphit, Lakritze, feine Kirschfrucht, Johannisbeere, Pflaume, röstiges Holz. Saftig, fleischig und mit tollen Trinkfluß, die Frucht genau auf den Punkt gereift und kein bisschen überextrahiert. Leicht mineralisch und mit feinem Tannin im recht langen Abgang. Ein herrlich opulenter Trinkwein. (ggg)

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Chateau Giscours 2010: Muskulöser und strukturierter als alle anderen Margaux auf der Probe. Kirsche, Floral, Zeder, Tabak, ganz zart vanilliges Holz. Am Gaumen elegant und fast schon streng, dichter Fruchtkern, mineralisch, sehr gutes, fein-würziges Tannin im langen Abgang. Wird einen längeren Aufenthalt im Keller benötigen, zeigt aber im Gegensatz zu manch anderem Wein die nötige Gesamtstruktur, um in 10 oder 15 Jahren  zu echter Größe aufzulaufen. (ggg-gggg)

Chateau Labégorce 2010: Recht eindeutige Nase mit wenig Pflaume, etwas Tabak, Cigarbox, der Alkohol (14.5%) scheint durch. Es fehlt die Kühle und Frische, am Gaumen sehr dicht, eingekocht, überreif und flach, aber immerhin mit sehr gutem Holz. (gg)

Chateau Lascombes 2010: Da hat man es dieses Jahr wohl zu sehr zwingen wollen. Der Wein wirkt insgesamt sehr gemacht und fast schon parfümiert. Minze, Veilchen, Rumtopf, Pflaume, Vanille, exotische Würznoten. Am Gaumen extrem dicht und stoffig, überextrahiert, schon an der Grenze zur Überreife, im langen Abgang superfeines, schokoladiges Tannin.

Parker schreibt dazu unter anderem : “Needless to say, this is an example of modern-styled winemaking at it’s finest, and arguments that such wines will not age well, do not represent their terroir , and are soul-less, are totally groundless.” Wir sagen: Der Lascombes 2010 ist ein Beispiel für den seelenlosen, technokratischen und international geprägten Weinstil, der kaum mehr Terroir und Typizität zeigt und Bordeaux früher oder später Kopf und Kragen kosten wird. (ggg-)

Chateau Prieuré-Lichine 2010: In der Nase eher verhalten, etwas diffus, wirkt überreif und fast schon angestrengt, Kirsche, Pflaume, Trüffel, Tabak. Am Gaumen dann etwas besser aber mit merklichem Alkohol (14.5%), hochextrahierter und sehr reifer Frucht, unzugängliches Tannin. (gg-ggg)

Chateau Rauzan-Ségla 2010: Recht verschlossen und schwer einzuschätzen. In der Nase sehr verschlossen, zeigte am Gaumen aber einen enormen Druck, Tiefe und vielschichtige Aromatik. Auf der anderen Seite war die Säure relativ niedrig, der Alkohol eher hoch und die Extraktsüße am Anschlag, das Tannin massiv und unzugänglich. Nicht wirklich zu bewerten, könnte aber das Potential zu echter Größe haben.

Vielleicht sogar der Best Buy des Jahrgangs aber ganz sicher eine Kaufempfehlung ist der Poujeaux (vor allem für die sehr fairen 26,50 EUR bei Axel Buess). Wer viel Zeit und das nötige Kleingeld mitbringt, kauft sich den feinen, klassischen Giscours (62,50 EUR, auch Axel Buess) und wer einen recht zugänglichen, saftigen Trinkwein sucht, sollte bei du Tertre (33,00 EUR, C&D) zuschlagen.

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Bordeaux 2010 Union des Grands Crus: Saint-Julien & Paulliac

Die Weine aus den beiden nördlich gelegen Anbaugebieten hatten sich teilweise schon deutlich verschlossen gezeigt und waren im Rahmen der Probe entsprechend schwieriger zu bewerten.

Die Chateaux Batailley, Langoa Barton und Léoville Barton waren völlig dicht und haben sich wohl deshalb so unvorteilhaft gezeigt, das wir hier auf eine Bewertung verzichten.

Chateau d’Armailhac 2010: Der Aufwärtstrend aus dem letzten Jahr hat sich bestätigt, fein und rotbeerig, leichte vegetabile Noten, auch Cassis und Blaubeere, vanilliges, süßwürziges Holz. Am Gaumen durchaus harmonisch, Cabernet betont, rund und gefällig, konzentriert. Ein ordentlicher Wein ohne Höhen und Tiefen. (gg-ggg)

Chateau Clerc Milon 2010: Wie immer ein grundsolider Wert, typisch Paulliac, klare und präzise Frucht, Zeder, Graphit, Tabak, Kirsche. Am Gaumen fast schon schlank und kühl, mit feinem süß-sauer Spiel, mittlerer Körper, feines Tannin. Sehr gut, mittlerweile aber auch alles andere als günstig. (ggg)

Chateau Lynch Bages 2010: Verschließt sich gerade wieder, Cassis, rote Johannisbeere, Kirsche, Lakritze, Zeder, Orangenzesten, feinster Holzeinsatz. Am Gaumen saftig und schlank, feste Struktur und mit feinem Tannin im langen Abgang, sexy und verführerisch. (gggg)

Chateau Gloria 2010: Netter relativ kleiner Wein, belanglos, wenig Struktur, dafür zuviel süßes Holz, im Abgang leicht grünes Tannin. (gg)

Chateau Gruaud Larose 2010: War noch relativ offen, sehr verführerische Nase mit Röstaromen, Kaffee, Zeder, frischem Brot, floral, Cassis, roten Beeren, etwas Meersaum. Reif und fein, gute Struktur, samtige Textur, feinkörniges Tannin im langen Abgang. Der 2009er war einen Tick besser. (gggg)

Chateau Léoville-Poyferré 2010: Wahrscheinlich in einer schwierigen Phase, aber ein typisches Beispiel für die Probleme des Jahrgangs. Alles da, aber nichts passt so richtig zusammen. Lakritze, Orangenzeste, Minze, Zeder, Cassis und rote Beeren, am Gaumen eher schlank aber unstrukturiert, vorne druckvoll fällt aber nach hinten ab, im Abgang nur Säure und zugegeben feines Tannin. Die Zeit wird es hoffentlich richten. (ggg-???)

Chateau Saint-Pierre 2010: Das war mal ein richtig geiles Zeug. Vielleicht eher ein Frühtrinker, aber was für einer. Im Moment noch recht exzessive Röstaromen und frisch gebrühter Kaffee, was aber sehr gut mit der reifen, fast schon mürben, feinwürzigen Frucht geht. Rote Beeren, Darjeeling, Trüffel, Lakritze. Schlank im Antrunk, feine Textur, gut strukturiert, mineralisch, langer Abgang mit feinkörnigem Tannin. Gleichzeitig verführerisch aber auch ein Wein, der sein eigentlich großes Terroir durchscheinen lässt. Einer der wenigen Weine auf der Probe, bei dem man blind problemlos die Gemeinde erkannt hätte. Ein typischer, großer Saint Julien. (gggg)

Teuer sind die Weine alle, mit 69,00 EUR (z.B. Hawesko)  ist der Gruaud Larose im Gesamtkontext aber sicherlich noch als preiswert zu bezeichnen. Leider hat der Saint-Pierre auch Parker&Co. sehr gut gefallen, weshalb hier rund 100,00 EUR (z.B. C&D) pro Flasche aufgerufen werden. Lynch Bages war der beste Paulliac der Probe, für den 150,00 EUR (auch C&D) fällig sind.

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Bordeaux 2010 Union des Grands Crus: Pessac-Léognan

Unserer Ansicht nach die besten Weine des Jahrgangs hat man in Pessac-Léognan und Graves gemacht. Die Qualität war hier durchgängig hoch, die Weine vergleichsweise harmonisch und in der Spitze auch elegant. La Mission und Haut Brion haben gefehlt, aber auch in der Preisklasse unter 1.000,00 EUR je Flasche wurde einiges geboten:

Chateau Haut-Bailly 2010: Feinfruchtig und voller Finesse. Cassis, rote Johannisbeere, Bleistiftspitze, süße Würze, sehr langer Abgang, feinstes Tannin. Ein schlanker, tiefgründiger und vielschichtiger Wein. (gggg-).

Chateau Malartic-Lagravière (Rouge) 2010: Ebenfalls harmonisch und ausgewogen, ein Wein wie aus einem Guß. Vom Cabernet geprägt, frisch, sogar leicht blutig, vielschichtige, rote Frucht und mit feinem Tannin (ggg).

Chateau Pape Clément 2010: Hat uns enttäuscht. Mit merklichem Alkohol, Rumtopf, massivem, sehr süßen Neuholz, mächtig und druckvoll am Gaumen, langer Abgang, das Tannin unharmonisch und schlecht eingebunden (gg-ggg).

Chateau Picque Caillou 2010: Kräuterig, Nelke, Zeder, röstiges Holz, interessante Nase. Die Frische wirkt etwas aufgesetzt, leichter Körper, im Abgang mit grünem, unreifen Tannin (gg-).

2013-03-25-14-27-09-483Chateau Smith Haut Lafitte (Rouge) 2010: Vielschichtig und komplex in der Nase, Cassis, Schwarzkirsche, Kaffee, floral, typische Pessac-Note mit Sandelholz, Lakritze, Graphit. Der Wein ist perfekt strukturiert und anmutig proportioniert, druckvoll, mit schöner Säure, dichter aber nie überextrahierter und fast schon kühl anmutender Frucht, mineralisch, langer Abgang mit feinkörnigem Tannin.

Ein großer Wein der viel Zeit benötigen wird (gggg).

Pessac war dieses Jahr besonders begünstigt und die Appellation bietet mit Smith Haut Lafitte (118,00 EUR, z.B. Pinard de Picard)  und Haut-Bailly (135,00 EUR, auch Pinard de Picard) zwei absolute Spitzenweine, die man, wenn man den Begriff nur weit genug dehnt, noch als preiswert bezeichnen könnte. Beide Weine gehören mit Sicherheit zum Besten, was der Jahrgang zu bieten hat.

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Bordeaux 2010 Union des Grands Crus: St. Emilion und Pomerol

Das rechte Ufer in St. Emilion und Pomerol zeigte einige sehr schöne Erfolge:

Chateau Balestard La Tonnelle 2010: Sehr fein, rotbeerig, gut proportioniertes süß-würziges Holz. Erstaunliche Frische und Saftigkeit, guter Trinkfluß, der Alkohol wurde geschickt verpackt. Kirschige Frucht, aber auch hier eher hell und feinkörniges Tannin im Abgang. Für den Jahrgang ein feiner, schlanker Wein.  (ggg-)

Chateau Beau-Sejour Becot 2010: Bei 14.5% mit merklichem alkoholischem Feuer, eingekochte Frucht, sehr dicht und extraktreich, etwas eindimensional, massiver Holzeinsatz. Es fehlte uns an Frische, von allem etwas zu viel. (gg+)

Chateau Canon 2010: Im Moment in einer schwierigen Phase, sehr extraktsüße, rote Frucht, schöne Würze, Orangenzeste, viel Neuholz, feinkörniges, trocknendes Tannin, deutet aber Tiefe und eine gewisse Vielschichtigkeit an, mit Potential für (ggg).

Chateau Cap de Mourlin 2010: Zeigte sich eindimensional und mit einer leicht unreifen Note. Eher schlank am Gaumen, kräftiges Tannin, merklicher Alkohol. Wird in ein paar Jahren einen schönen Trinkwein ergeben. (gg)

Chateau Figeac 2010: Eines der Highlights von der Right Bank. 14% Alkohol. Im Moment noch verhalten und verschlossen. Wirkt im ersten Eindruck sehr klassisch mit leicht vanilligen, staubigen Holz und seinem hohen Cabernet Anteil. Warmer Körper, vielschichtige Frucht, gute Säure und wirklich großes Tannin. Harmonisch und trotz allem Extrakt und der dichten Frucht schlank in der Anmutung. Großartig aber auch sehr teuer. Dürfte recht schnell reifen. (ggg-gggg)

Chateau Clinet 2010: Reduktiv. Leicht animalisch, Wildbret, feinstes, ätherisches Holz, dichte und intensive Frucht, Pflaume, Kirsche. Der Alkohol scheint durch, der Wein ist sonst aber fein und gut strukturiert. (ggg+)

Chateau Petit-Village 2010: Braucht Zeit, zeigt sich aber harmonisch, frisch, mit tollem Saft und Trinkfluß. Reife Kirsche, Lakritze, feines Tannin im recht langen Abgang. (ggg)

Bei dem vorherrschenden Preisniveau kann man noch am ehsten Balestard La Tonnelle empfehlen, das bei der Weinkritik nicht so gut abgeschnitten hat und eher auf der feinen, eleganten Seite ist (online leider nicht gefunden, dürfte um 40 EUR liegen). Wenn Geld keine Rolle spielt, darf man sich auch gerne an dem köstlichen, sehr gelungen Figeac für 275,00 EUR je Flasche delektieren (z.B. bei Gute Weine Lobenberg) und uns dazu einladen.

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Union des Grands Crus de Bordeaux Probe Jahrgang 2010 auf der ProWein – Überblick

Union des Grands Crus de Bordeaux Jahrgangsprobe 2010

Union des Grands Crus de Bordeaux Jahrgangsprobe 2010

Auch dieses Jahr haben wir uns wieder auf die Jahrgangsverkostung der Union des Grands Crus de Bordeaux begeben, um die aktuellen 2010er Rotweine zu begutachten. Der Jahrgang wurde ja im Vorfeld von einem Teil der Weinpresse durchaus kritisch betrachtet, was aber dann im Jubel der überwiegend anglo-amerikanischen Verkoster, allen voran unserem lieben Freund Robert Parker, der immer noch die öffentliche Meinung prägt wie kein anderer, in Vergessenheit geriet. So soll 2010 also der Stoff sein aus dem langlebige, komplexe Weinlegenden gemacht sind – mit hoher Säure, reifebedürftigem Tannin, gleichzeitig aber auch mit einer hochreifen, extraktreichen und üppigen Frucht und das alles in perfekter Harmonie.

Doch schauen wir uns erst einmal den ungewöhnlichen Witterungsverlauf der 2010er über die gesamte Reifeperiode an: Es war mal wieder sehr warm, aber nicht so heiß wie z.B. in 2003 und es gab insgesamt sehr wenig Niederschlag. Der August wurde vor allem Nachts recht kühl, was einen Teil der Säure bewahrte, aber weiterhin fiel kein Regen. So blieb es dann auch bis zur Ernte der letzten Cabernets im Oktober überwiegend trocken – die Trauben waren dehydriert, die Schalen dick und fest, dabei teilweise sogar schon rosiniert.

So ist dann in den Weinen zwar alles da, aber nicht in der sonst für einen guten Wein üblichen Harmonie – die Tanninentwicklung hat sich abgekoppelt. Das führt zu der eigentlich paradoxen Situation, dass das Lesegut möglicherweise überreifes, sattes Fruchtextrakt auf der einen und noch unreifes, harsches Tannin auf der anderen Seite liefert. Die Säure ist zwar höher als in 2009, aber nicht hoch genug, um mit dem Tannin und der hochreifen Frucht mitzuhalten. Dass mancher Wein trotz sehr hoher Reife mit prägnanter Säure ausgestattet war, wirft natürlich Fragen auf. Die Alkoholwerte sind ebenfalls wieder hoch, bei vielen zwischen 14 und 14,5 %, bei manchen sogar höher.

Alles in allem ist 2010 kein durchweg großer Jahrgang, sondern eher eine Laune der Natur, ein Jahrgang der Extreme mit Licht und Schatten. Es lässt sich wenig verallgemeinern, man muss Wein für Wein betrachten. Viele Chateaux haben sicher das Beste aus den Karten gemacht, die ihnen die Natur zugeteilt hat, aber nur sehr wenige hatten das Glück oder den richtigen Ansatz, um einen wirklich balancierten Wein zu füllen.

2013-03-25-14-26-00-686Insgesamt war unser Gesamteindruck dennoch gut – auf Grand Cru Niveau gibt es keine wirklich schlechten Weine. Was Selektion des Lesegutes, Kellerarbeit und Holzqualität angeht ist alles auf höchstem internationalem Niveau, was den Weinen dieser Preisklasse eine inhärente Qualität mit auf den Weg gibt. Wirklich groß haben sich aber nur sehr wenige Weine auf der Probe gezeigt, allerdings fehlten wie auch schon in den letzten Jahren sämtliche Premiers und nahezu alle Superseconds.

Soweit man überhaupt verallgemeinern mag, präsentierten sich viele Weine mit unausgewogener Struktur, füllig, hochextrahiert, manche sehr reif bis teilweise überreif, viele mit merklichem alkoholischem Feuer, eher wenig Terroir-Ausdruck und dabei mit einem sperrigen, unzugänglichen Tanninblock, der lange zum abschmelzen brauchen wird. Dazu kommt die übliche massive Neuholzbehandlung, die nur wenige dem Jahrgang angemessen zurückgefahren haben. Viele Weine wirken “zusammengestöpselt” – im Vergleich trank sich beispielsweise der 2005er Jahrgang zum gleichen frühen Entwicklungszeitpunkt wie aus einem Guß, mit mehr Kühle, Struktur und dem deutlichen besseren Tannin. Die meisten Weine haben fraglos Alterungspotential im Sinne einer langen Haltbarkeit, ob sie  aber wirklich die  Höhen erklimmen werden, wie es die hohen Parker-Bewertungen suggerieren, darf bei einigen sicher bezweifelt werden.

Auch wenn Bordelaiser Weinwirtschaft, Händler und Kritik uns das glauben machen wollen – der 2010er Jahrgang ist ganz sicher kein klassischer Bordeaux-Jahrgang. Die Weine sind ungefähr so klassisch wie RTL2 anspruchsvolles Fernsehen bietet – das hier sind überwiegend breitschultrige, hochextrahierte Brecher, denen einiges von dem abgeht, was einen klassischen Bordeaux ausmacht -  Frische, Kühle, mineralisch geprägte Textur und Festigkeit. Man kann das trotzdem mögen und es sind ja auch vielfach richtig gute Weine, aber typisch Bordeaux, im klassischen Sinne, ist das in vielen Fällen genauso wenig wie der 2009er Jahrgang.

Die Preise sind astronomisch hoch – was uns richtig gut gefallen hat liegt im Handel bei rund 150 EUR die Flasche, das Preisniveau ist aber vor allem auch bei den kleineren Crus sehr sportlich. Für einen wirklich großen Wein mag man ja vielleicht auch mal 100 Euro oder mehr anlegen, aber ob sich wirklich eine breite Masse findet, die für die einfach nur guten Weine 40 bis 70 EUR die Flasche bezahlt und diese kistenweise einlagert, halten wir für mehr als fraglich.

Die 2010er bewegen sich nicht wirklich bei den Händlern, so dass eine Preissteigerung in absehbarer Zeit eher unwahrscheinlich ist. Wer Geduld aufbringen kann sollte mit seinem Kauf noch etwas warten, schließlich werden die Weine in ihrer Entwicklung jetzt abtauchen und sich für wer weiß wie lang verschließen. Vielleicht wird es wegen des schwierigen Absatzes auch schon bald Preiskorrekturen geben.

Wie schon im letzten Jahr werden wir dann in den nächsten Tagen unsere Verkostungsnotizen zu den einzelnen Appellationen online stellen:

- St. Emilion und Pomerol
- Pessac-Léognan
- St. Julien & Paulliac- Margaux, Moulis, Listrac & Medoc

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Le petit vin d`Avril Vin de France rouge

 

Ein einfacher, ehrlicher Roter mit Ecken und Kanten

Ein einfacher, ehrlicher Roter mit Ecken und Kanten

 

Vielleicht ist das Phänomen mit der Suche nach dem Besten zum günstigsten Preis ein typisch deutsches Ding. Trotzdem und genau deswegen erkläre ich bei diesem Wein die Schnäppchenjagd hiermit offiziell für eröffnet.

Denn es muss ja nicht immer was Schlechtes sein, wenn es guten Vino im Angebot gibt.

(Zumal ich zufällig auf diesen Roten gestossen bin und selbst den offiziellen Preis bezahlt habe.)

Und wenn ich, beim Schreiben dieses Artikels, zum Fenster hinaus, auf den fröhlich dahin tröpfelnden Kölner Schneeregen blicke, freue ich mich, das dieser Rote von der Rhone mir gerade das Gefühl gibt, dass es den prallen südlichen Sommer gibt, der alle unsere Sinne erfüllt und dass man ihn sogar in Flaschen füllen kann.

Der Petit Vin d`Avril stammt vom renomierten Weingut Clos des Papes und dient zum Einen der Verwertung der Trauben deklassierter Weinberge, die sich entweder außerhalb der Chateauneuf A.O.C. befinden, oder von Neupflanzungen innerhalb, die noch zu jung sind, um in die Prestigeweine gelangen zu dürfen.

Andererseits wird er auch dazu benutzt, um neu gekaufte Holzfäßer, durch kurzfristige Belegung mit diesem Wein, gebrauchsfertig zu machen.

Außerdem behält man sich mit der Abfüllung als Vin de France ohne Jahrgangsbezeichnung vor, auch Grundweine aus älteren Jahrgängen zu füllen, sowie gar nicht A.O.C.-klassifizierbare Rebsorten wie Merlot und Cabernet unter diesem Label zu vermarkten.

Hört sich alles nach einem ziemlichen Gepansche an. Ist es einerseits vielleicht auch, andererseits ist dass, was ich in der Flasche findet, einfach zu gut, um sich über solche Nebensächlichkeiten, weiter Gedanken zu machen.

Denn dieser jugendlich, frische Rote ist prall und ungestüm. Er vereint reife, leicht eingekochte und zugleich saftige Fruchtaromen mit einem schlanken Körper und animierender, von einer knackigen Säure- und Tanninstruktur getragenen Trinkanimation.

Seine kleine Holzfaßnote ist hochwertig, von zedriger, schokoladiger Qualität, gut integriert und steht den leicht grünen Aromen, die sich in diesem Wein finden, spannungsvoll gegenüber.

Das ist keine eingekochte Marmelade sondern ein Paradebeispiel für dass, was die Franzosen einen Vin de Soif nennen.

Wer einen trocken ausgebauten, einfachen und intensiven Roten zum sommerlichen Grillen oder kräftigen Fleischgerichten allgemein sucht, liegt beim Petit d`Avril verdammt richtig. Harmonietrinker sollten eher den Chateauneuf des Hauses trinken.

Das Angebot von 7,40 € beim unten verlinkten Onlinehändler gilt leider nur noch bis 22. März. Den knappen Zehner, den er dort offiziell kostet, ist er auch wert, dann aber kein Schnäppchen mehr.

bei 15-16°, jetzt und 1 Jahr, Pinard de Picard

2G

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Chateau Segonzac Vieilles Vignes 2010

Dick und fruchtig: Segonzac Vieilles Vignes 2010

Dick und fruchtig: Segonzac Vieilles Vignes 2010

Eigentlich immer ein solider Bordeaux-Wert ist das Château Segonzac aus der am rechten Ufer  gelegenen Appellation Cotes de Blaye. Die Weine sind zwar nie herausragend, bieten aber durchaus Trinkgenuß zu fairen Preisen. Die typische Cuvée des Hauses sind 70% Merlot, 20% Cabernet-Sauvignon und 10% Malbec. Der hier verkostete Vieilles Vignes stammt von Parzellen mit über 50 Jahre alten Rebanlagen, ein Jahr im Barrique ausgebaut, davon 20% Neubelegung.

In der Nase warm, dunkle, sehr reife Beeren, schöne Kirsche, Pflaume, Kakao, Vanille, später auch etwas Cassis und süße Cabernet-Würze.

Am Gaumen rund und weich, sehr zurückhaltende Säure, eher unstrukturiert und breit, aber dafür eine dichte, mundfüllende und sehr intensive, extraktreiche Frucht mit viel schwarzer Kirsche und Pflaume. Leichte Würze, schokoladig, im Abgang mit einem für 2010 sehr moderaten, leicht bitteren Tannin, das aber noch nicht ganz integriert ist.

Die 15% Alkohol sind für den Jahrgang am rechten Ufer nicht untypisch und gehen in der modernen und fetten Stilistik des Weines recht gut auf,  sind aber trotzdem spürbar. Wer diese Art mag, bekommt für einen fairen Preis einen sauberen, soliden und international gemachten Wein. Knappe zwei Punkte.

Gekauft für 8,90 EUR im Supermarkt (Match) – Trinkfenster jetzt – 2016
Online gefunden bei videli.de für immer noch annehmbare 11,40 EUR

Wer sich gleich für ein Sechser-Kistchen erwärmen kann, kommt bei K&M Gutsweine dann auch auf den günstigen Preis von 8,90.

2G

 

 

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Weingut Wöhrle Riesling trocken (1l.) 2012

Geiler Literriesling aus der Pfalz

Geiler Literriesling aus der Pfalz

Bei meinem Kurztrip in die Pfalz hatte ich die Gelegenheit beim eher unbekannten Weingut Wöhrle in Bockenheim vorbei zu schauen, um neben den 2012er Rieslingen, die sich noch in den Stahltanks befinden und zum Teil noch Gären, diesen schon gefüllten Literwein zu verkosten, den ich hier auch gleich als Wein des Monats empfehlen möchte.

Ein guter Alltagswein in der Literflasche ist ein wichtiges Aushängeschild, gerade für Weingüter, die nicht ganz vorne im Rampenlicht von Weinführern und Presse stehen und etwas abseits der breiten Öffentlichkeit richtig guten Wein produzieren.

Das Weingut Wöhrle liegt ganz im Norden der Pfalz, abseits der renomierten Gemeinden und ist ein echter Geheimtipp für Riesling. Die Weinberge werden von Winzer Andreas Wöhrle ökologisch, nach Ecovin-Standards, bewirtschaftet. Darauf folgt ein schonender Ausbau der Weine im Keller.

Zum Programm gehören Rieslinge aus verschiedenen Bockenheimer Lagen, die im neuen Jahrgang 2012 als Faßproben reife, gehaltreiche und mineralische Weine versprechen. Da diese aber noch etwas auf sich warten lassen, habe ich mir diesen Wein rausgepickt, den man schon im hofeigenen Onlineshop erwerben kann.

Der bringt geradlinigen, säurefrischen Rieslinggenuß ins Glas, der einfach Spaß macht. Die Frucht ist jahrgangstypisch klar und saftig. Grüner und gelber Apfel spielen die erste Geige, es gesellt sich auch eine schöne Zitrusnote hinzu die zwischen Limone und Orange spielt. Am Gaumen ist das schon ein recht kräftiger Wein, dessen spürbares Restsüßeschwänzchen gut auf die knackige Säure abgestimmt ist.

Für den Sommer als Solowein oder zu leichten Speisen.

jetzt und 1-2 Jahre, 4,90 € ab Hof, www.weingut-woehrle.de

2G

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Bordeaux in Bremen II: 3x Barolo Riva von Claudio Alario und Cos d’Estournel 1993

Während ich mich den Großteil des Februars in Abstinenz geübt habe, stand zum Ende des Monats ein kurzer Trip in den Norden Deutschlands an. Dabei wäre es sicher unhöflich gewesen, auf Gastgeschenke und lieb gewordene Traditionen zu verzichten, weshalb auch eine Kiste Wein ihren Weg nach Bremen gefunden hat.

Claudio Alario ist vor allem für seine Dolcetto und Barbera bekannt, die Barolo hatte ich vorher noch nicht probiert. Drei Flaschen sind bekanntlich ja schon eine Mini-Vertikale und so gingen die Jahrgänge 1996, 1997 und 1999 des Barolo Riva mit auf die Reise. Zu letzten Ehren kam auch noch eine Flasche Cos d’Estournel 1993.

Leider hätte ich mich vor der Idee mit der Mini-Vertikale etwas mit Claudio Alario auseinandersetzen sollen. Denn wenn auch manch deutscher Weinhändler die Barolo von Alario -völlig unverständlich – als klassisch und traditionell anpreist, sind die Weine extrahiert und hoch modern ausgebaut. Das bedeutet neben zwei Jahren im Barrique unter anderem auch Rotofermenter und Thermovinifikation. Entsprechend zeigten sich diese im besten Trinkalter befindlichen Jahrgänge mit einem für einen Nebbiolo-Wein sehr dichten Rot und einer intensiven Frucht aus Kirsche, Pflaume und Erdbeere,  zurückhaltendere Noten von Rosenblättern und etwas Lakritze, Vanille und Minze. Am Gaumen waren alle drei Barolo sehr kräftig und auf ihre Art harmonisch-weich, wenig Struktur, mit intensiver dunkelkirschiger Frucht, dezent-süßer Würze, etwas Coca-Cola und plüschig-schokoladigem, wenn auch gut integriertem Tannin.

Kann man trinken, wenn man moderne Barolo mag – womit ich aber gar nicht gerechnet hatte ist, das die drei Jahrgänge praktisch nicht zu unterscheiden waren. Blind gar keine Chance und selbst wenn man wusste, welcher Jahrgang im Glas war, konnte man bestenfalls Nuancen im Direktvergleich herausarbeiten. Somit bekommen alle drei Jahrgänge gg-ggg Punkte und trinken sich jetzt und wahrscheinlich bis 2018 recht gut.

Nicht besonders viel hatte ich von Cos d’Estournel 1993 (ggg-, austrinken) erwartet, der sich dann aber als erfreulich ausbalancierter, gereifter Bordeaux im Rahmen seiner Möglichkeiten zeigte. In der Nase schon sehr zurückhaltend, dunkle Cabernet-Frucht, Graphit, Leder, Orangenschalen, Zedernholz, Waldboden, Pilze. Am Gaumen ist der Wein noch erstaunlich intakt, leichter Körper, feine Textur, weich und rund, kaum mehr Frucht aber feine Sekundäraromen von Tabak, Leder, Zeder, Erde und schwarzem Tee, das Tannin ist vollständig abgeschmolzen. Es fehlt an Dichte, Präzision und Struktur, aber trotzdem bei jedem Schluck als klassischer Saint Estèphe zu erkennen.

PS: Die Fotos sind leider nichts geworden, also diesmal text-only.

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Domaine La Colliere Rasteau “Les Touillieres” 2011

It´s Blockbuster-Time!

It´s Blockbuster-Time!

Die Jahre 2009, 2010 und 2011 haben an der südlichen Rhone ziemlich dicke Rote hervorgebracht.

Bei der Qualität, die hier vielzählige Produzenten gerade im Preisbereich unter 10 € in die Flaschen zaubern, könnte man fast den Eindruck gewinnen, das es in dieser Herkunft gar keinen schlechten Weine mehr gibt.

Der Rasteau “Les Touilleres” von der Domaine La Colliere entspricht voll und ganz diesem hohen Standard.

Er gehört eindeutig in die Abteilung “Blockbusterwein” und dürfte vorallem Einsteigern ins Weintrinken gefallen, die Lust haben mal was richtig Fettes zu trinken, ohne sich gleich zu ruinieren.

Fortgeschrittenen könnte er zu anspruchslos erscheinen, wobei ich persönlich mit der eindeutigen, süßen und fülligen Richtung, die hier beschritten wird, gut leben kann.

Im opulenten Duft mit intensiven, eingekochten dunklen Beeren. Hat in seiner wahnsinnigen Reife auch viel von Rosinen und Milchschoki. Sehr eindeutig und prall, dabei aber auch mit einer gewissen Tiefe.

Am Gaumen entfaltet sich dann sein dicker Saft mit viel Wärme und Reife und einem griffigen Tannin, das seiner Fülle Halt gibt.

Hält lange nach.

Wer es knochentrocken mag, sollte die Finger von diesem Wein lassen. Ob er wirklich Restsüße hat, ist schwer zu sagen, vielleicht ist es auch nur die Kombination von hohem Extrakt und Alkohol, bei gleichzeitig gerade noch ausreichender Säure, der sich hier geschmacklich auswirkt.

Dieser Wein zeigt alles, was in ihm steckt, ohne das man groß belüften müsste. Trotzdem hält er sich über mehrere Tage in der geöffneten Flasche, was auf eine gewisse Lagerfähigkeit schließen läßt. Nur warum sollte man ihn weglegen, wenn eh schon alles da ist?

Der 2011er Touilleres ist ein hedonistischer, hochkonzentrierter Stoff von der Rhone. Bei 15 % Alkohol trinkt man ihn sicher nicht flaschenweise. Dafür wärmt er an kühlen Spätwintertagen.

Zur Begleitung von Speisen fehlt es ihm etwas an Frische, einer kräftigen Zigarre steht er aber genußspendend zur Seite.

jetzt und weitere 4 Jahre, 9,80 € bei www.weinpalais.de 

2G

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