Wein des Monats November 2013: Chateau Capbern Gasqueton St. Estèphe 2010

Ein wirklich guter Wert. Wandelt gekonnt zwischen Klassik und Moderne.

Ein wirklich guter Wert. Wandelt gekonnt zwischen Klassik und Moderne.

In letzter Zeit habe ich einige rote Bordeaux aus dem Jahrgang 2010 verkostet, mit besonderem Augenmerk auf die Preisklasse unter 20 €. Einiges hat mir gut gefallen, aber nichts hat mich wirklich umgehauen.

Glücklicherweise wurde ich dann von einem Bordeauxliebhaber auf dieses Chateau aufmerksam gemacht, das in den Jahrgängen vor 2008 noch nicht wirklich in Erscheinung getreten ist und mir gänzlich unbekannt war. Wenn man den einschlägigen Weinbewertungen trauen darf, war der Weine bis dato einfach nicht wirklich gut. Das hat sich mit dem 2009er Jahrgang zum Besseren geändert. Und auch der 2010er, den ich während ich schreibe im Glas habe, beeindruckt mich durch eine beachtliche Substanz und Grand-Cru-Classé-verdächtige Stilsicherheit und Feinheit und ist einer Empfehlung als Wein des Monats mehr als wert.

Eigentlich ist das kein Wunder. In prominenter Nachbarschaft von Calon-Ségur und Meyney auf den besten Terroirs von St.Estèphe gewachsen, ist auf diesem Chateau großes Potenzial vorhanden. Nicht nur wegen der geografischen Nähe ist der Capbern Gasqueton quasi ein kleiner Calon-Ségur. Er gehört zu dessen Besitz seit langem dazu und wird auch von dessen Team vinifiziert. Vielleicht ist er nicht ganz so konzentriert und reifefähig wie das bekannte Grand-Cru-Classé, in 2010 zeigt er aber neben der St. Estèphe-typischen Festigkeit eine schmeichlerische Reife und delikaten Schmelz.

In der Nase verrät sich zuerst seine Jugend. Edle Röstaromen nach Kaffee und feine ätherische Noten vom Holz stehen noch etwas im Vordergrund, sie machen an der Luft aber recht schnell Platz für erdige Töne und tiefgründige Aromen von schwarzen und roten Beeren. Feine Tabaknoten. Etwas Süßholz. Summa summarum nicht mehr und nicht weniger als ein herrlicher Duft mit Klasse und Eleganz.

Das folgende Geschmackserlebnis erfüllt die olfaktorische Vorfreude vollends. Zwar ist der Capbern Gasqueton noch recht fest, zugleich zeigt er sich mit zunehmender Belüftung aber ungemein feinsaftig und elegant. Seine dunkelbeerige Frucht ist reif und präzise gewoben. Das Tannin ist präsent, dabei sehr gut eingebunden. Eine knackige Säureader schafft Trinkfluß. Spielt spannkräftig zwischen gaumenfüllender Wärme und mineralischer Kühle und zeigt eine beeindruckend fokussierte Länge.

Wenn man ihn blind vorgesetzt bekäme, würde man ihn locker für ein Grand-Cru-Classé halten und sicher deutlich mehr bezahlen, als er auch jetzt noch im Handel kostet.

Vergleicht man ihn mit unseren Verkostungen anderer 2010er Bordeaux, steht er auf einer Stufe mit Chateau Le Reysse aus dem Médoc.

2-3 Jahre Lagerung dürften ihn weiter nach vorne bringen. Wer ihn jetzt öffnet, dürfte aber nicht enttäuscht werden, sollte dann jedoch die Karaffe bemühen oder zumindest ausreichend belüften.

Trinkfenster: 2015-2023+, 19,50 € bei www.moevenpick-wein.de

3G

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